Wer ist Christus?

In der Menschheit wird sich die Natur ihrer selbst bewußt und das Wesen des auferstandenen Christus wird sich seiner selbst bewußt. Es ist die Erlösung der Welt und der gesamten Schöpfung.
Dadurch können wir verstehen, was die Meister der christlichen Tradition lehren, wenn sie sagen: “Gott (Elohim) wurde Mensch, damit der Mensch Gott (El) wird.”

Nun, hier in der Welt erscheinen wir als männlich und weiblich, als Mann und Frau, aber der heilige Paulus lehrt uns: “Wo diese Erneuerung geschehen ist, da zählt es nicht mehr, ob jemand zu den Griechen gehört oder zu den Juden, ob jemand beschnitten ist oder unbeschnitten, ob jemand zu einem unzivilisierten Volk gehört oder gar zu einem Stamm von Wilden, ob jemand im Sklavenstand ist oder frei. Was einzig noch zählt, ist Christus, der in allen lebt und der alles wirkt.” (Der Brief an die Kolosser 3:11) Indem wir die Ignoranz der Vergangenheit verbannen, können wir hinzufügen: da zählt es nicht mehr, ob man männlich oder weiblich ist, Mann oder Frau, heterosexuell oder homosexuell – hier gibt es solche Unterschiede nicht, sondern alle sind Christus und in Christus, alle sind der Lichtmensch und der Lichtmensch ist in uns.

In Christus müssen wir herauskommen aus den Schlupfwinkeln des Egos. Wir müssen uns befreien vom Greifen nach diesen Unterscheidungen und Unterschieden und endlichen Begrenzungen, von all den kleinlichen Konflikten, die sie fortbestehen lassen. All dies bindet uns an die Ignoranz, die Dunkelheit, das Chaos der Materie. Während solche Dinge der Weisheit der Welt zufolge von Bedeutung sind, sind sie in der Weisheit Gottes (El, Elohim) nichts, sind sie Schatten, sind sie Torheit!

Genau dies lehrt uns der auferstandene Yeshua (Jesus) im letzten Vers des Thomasevangeliums: in Christus, im Lichtmenschen, sind wir alle gleich, sind wir alle ebenbürtig. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Mann und Frau in Christus. Offensichtlich konnten das unerleuchtete Männer in der äußeren und unspirituellen Kirche nicht verstehen. So kam es dazu, dass die gleiche alte Ignoranz das äußere Christentum dominiert. Aber diese Lehre wird klar ausgesprochen in den Lehren von Adonai Yeshua und klar illustriert von seinem am meisten geliebten Jünger, seinem innersten Jünger – Maria Magdalena.

Jesus lehrt, weiht ein und ermächtigt Frauen genauso wie Männer – im Messias gibt es keinen Unterschied…

Indem er das tut, wird Christus in uns verwirklicht, etwas von seiner Lichtkraft und Lichtpräsenz wird in uns verkörpert.

Christus ist kein Substantiv, dass man besitzen und beanspruchen kann, es ist ein VERB – eine Handlung, genau wie dieses gesamte Kontinuum des Werdens, dieses Kontinuum der ständigen Transformation.

Womit soll ich mich nun identifizieren? Was ist besser? Der sterbliche Name und die Form, unsere persönliche Geschichte? Oder das voll entwickelte und erleuchtete Wesen, göttlich und überirdisch, der Christus – unsterblich?

(Übersetzt aus: Tau Malachi: Elohim, Shaddai & Expanses in Christ)

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Thomasevangelium – Vers 110

Jesus sprach: “Wer die Welt gefunden hat und reich geworden ist, der soll auf die Welt verzichten.“

Auf die Welt zu verzichten, bedeutet sehr wenig für jemanden, der keinen Erfolg in der Welt gehabt hat und der gern der Notwendigkeit entkommen möchte, dass Leben zu leben wegen seiner oder ihrer verspürten Armut, seines oder ihres verspürten Versagens oder seiner oder ihrer verspürten Unzulänglichkeit. Aber das Verzichten auf die Welt auf der Grundlage eines solchen Selbstbewußtseins und solcher Unsicherheit hat wenig oder keine Bedeutung und kann nicht zu etwas Gutem und Erhabenem führen. Tatsächlich kann man Vieles, was das Verzichten auf die Welt motiviert, leicht als Feigheit bezeichnen! Der echte spirituell Suchende jedoch, der ein Diener Gottes und spiritueller Kämpfer werden will, ist alles andere als ein Feigling. Die Seele, die den mystischen Weg sucht, muss stark sein, mutig und den Erfolg suchend, ob nun in mundänen oder über das Mundäne hinausgehenden Angelegenheiten.

“Ich Verzichte auf die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, um Gott und den Himmel zu suchen!“ Wie kann ich auf etwas verzichten, dass ich nicht habe und nie eine Chance hatte zu erreichen? Tatsächlich kann ich auf nichts verzichten, das ich nicht in meiner eigenen Erfahrung besitze. Ebenso muss ich ein Leben haben, um es Gott darzubringen. Es scheint als ob der Meister uns sagt: “Lebe dein Leben, damit du etwas hast, das du Gott darbringen kannst.“

Lasst uns die Bedeutung des Wortes Verzichten näher betrachten. Es bedeutet nicht, dass wir etwas vermeiden, verlassen, etwas entfliehen oder es leugnen. Es geht nicht um Selbstverleugnung irgend einer Art, wenigstes nicht von der Art, die die Verleumdung der Lebensfreude als etwas Heiliges betrachtet. Nein. Verzicht bedeutet einfach loszulassen und Dinge nicht mehr als seinen persönlichen Besitz zu betrachten. Es bedeutet nicht mehr nach dem zu greifen, auf das man verzichtet, um ein Mittel zu haben, seinen Egoismus zu nähren und zu erhalten. Es geht darum, auf den falschen Anspruch des Besitzens von Menschen, Orten und Dingen zu verzichten und mehr noch, auf den Besitz subtiler Objekte, wie Gedanken, Gefühle usw. In diesem Sinne, was immer wir haben, auf das muss verzichtet werden und auf was wir verzichten müssen, ist verschieden für jeden Menschen. Jeder hat andere Dinge, die er im Leben loslassen und Gott darbringen muss.

Interessanterweise führt solch ein Verzicht zu größerer Freude an Allem in der eigenen Lebenserfahrung und zu der zunehmenden Freiheit, man selbst zu sein.

Wir können auch von Verzicht sprechen im Bezug auf das Loslassen unserer begrenzten Weltsicht, unserer geschätzen Überzeugungen, von Vorurteilen, Vorbedingungen und Erwartungen. Von allen Dingen, die uns davon abhalten, die Realität oder Gott so zu sehen, wie sie sind. Also ist der Verzicht ein Begriff für das Leerwerden von uns selbst, so dass wir vom Geist Gottes erfüllt werden können. Auf diese beiden Arten verstehen wir den Verzicht in den Lehren.

[Übersetzt aus: Tau Malachi: The Gnostic Gospel of St. Thomas : meditations on the mystical teachings. – Saint Paul, MN : Llewellyn, 2004, S. 337-338]

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Licht der Erlösung

Von der äußeren Kirche wird uns gelehrt, dass der Sinn des Opfers von Christus die Wiedergutmachung der Sünde von Adam und Eva war, der Ursünde, die wir erben. Was damit im Grunde nahe gelegt wird, ist eine beschädigte oder beeinträchtigte Menschheit, und dass Jesus kam, um zu korrgieren, was die Menschheit getan hatte. Die heilige Kabbala und Gnosis bringt jedoch eine andere Ansicht hervor. Für sie ist die Sünde von Adam und Eva das Ergebnis einer Unvollkommenheit oder eines Mangels auf der kosmischen Ebene. Es ist eher etwas Unvollständiges in der Schöpfung, und deshalb kommt Christus, um der Tikkun-Heilung dieser Unvollkommenheit Willen und nicht so sehr der Wiedergutmachung der Sünde wegen. Er kommt, um die Schöpfung zu vervollkommnen und Ratzon Elyon, den Willen des Höchsten, zu erfüllen.

Einfach gesagt, kosmische Ignoranz ist die Unvollkommenheit oder Unreinheit. Sie besteht in der Illusion der Trennung, die durch den Demiurgen in der christlichen Gnosis personifiziert wird. Es ist die Erzeugung der kosmischen Ignoranz, der Archonten und Dämonen am zweiten Tag der Schöpfung, als Elohim (Gott) Himmel und Meer trennte und damit auch die Dualität im Bewußtsein schuf, eine scheinbare Trennung zwischen Himmel und Erde, Gott und Schöpfung. Diese Ignoranz und Dualität im Bewußtsein ist die Ursache der Sünde von Adam und Eva. So kommt Christus, um diese Dualität aus dem Bewußtsein und der Schöpfung zu vertreiben. Er kommt als Träger des Lichts und gnostischer Offenbarer, der die Lehren, das spirituelle Wissen und die spirituelle Kraft übermittelt, die diese Ignoranz beenden.

Wie wir wissen und verstehen, ist das Auftreten der Ignoranz und Dualität im Bewußtsein ein natürliches Nebenprodukt der Schöpfung, dass aus der unbewußten Ureinheit hervorgeht. Es wird überwunden durch den Prozeß der Entwicklung und Evolution der Schöpfung, oder eher durch die Entwicklung und Evolution des Bewußtseins, durch ein Erwachen des Bewußtseins. Die Erfüllung dieser Entwicklung ist Christus, das messianische Bewußtsein, eine nicht-duale Realisierung.

Einerseits ergeben wir uns aktiv und dynamisch der Schekina des Höchsten (der göttlichen Präsenz und Kraft) und arbeiten so daran, die Bedingungen für die Selbstrealisierung in Christus mit ihr gemeinsam zu schaffen. Andererseits ist es eine Vereinigung mit Gott, die auf der göttlichen Gnade basiert und so kommt das Erwachen in Christus durch die göttliche Gnade, die überirdische Schekina, verkörpert im lebendigen Yeshua (Jesus) und in der wahren apostolischen Folge.

Es gibt ein deutliches Geschenk der feurigen Intelligenz, das Yeshua Messia uns übermittelt, eine ausgeprägte göttliche Präsenz und Kraft – der heilige Geist oder die überirdische Schekina. Wir unsererseits brauchen nur festzuhalten am Messia, dem Lichtmenschen, und uns dem Licht von oben zu öffnen, der Mutterkraft. Dieses heilige Licht erleuchtet und befreit uns. Es vertreibt die Falschheit und das Unwirkliche und offenbart die Wahrheit und Wirklichkeit, Gott, das wahre Licht. In einer aktiven und dynamischen Hingabe gibt es eine Zusammenarbeit und Kooperation mit der göttlichen Gnade, der Lichtpräsenz und Lichtkraft beim großen Werk. Und doch ist es die göttliche Gnade, das heilige Licht, das alles erreicht, das mit, in und durch uns, und sogar als uns wirkt, um Ratzon Elyon, den Willen und das Verlangen des Höchsten zu erfüllen.

[übersetzt aus: Tau Malachi: Light of Salvation]

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Binah – die göttliche Fülle

In der jüdischen Kabbala lautet der göttliche Name für Binah “Yahweh, ausgesprochen als Elohim”. Wie wir im Kapitel über Da’at, das den Namen “Yahweh Elohim” mit Binah teilt, entdeckten, verweist dieser Name auf die eine Lebenskraft, die viele Formen annimmt. Wie wir bereits sahen, ist die Pleroma (Fülle) der göttlichen Fülle im eigentlichen Sinne Chochmah, während Binah die uranfängliche Leere oder Empfänglichkeit ist. Durch Binah wird die göttliche Fülle verwirklicht.

Eine Möglichkeit, dies näher zu verdeutlichen ist der Partzuf von Binah, Ima oder Aima (die Mutter) und die Vorstellung des Mutterschoßes. Ursprünglich repräsentiert der Schoß die Leere. Nach der Empfängnis ist er jedoch die göttliche Fülle. Vor ihrer Vereinigung sind die Kraft des Vaters und die Matrix (Gebärmutter) der Mutter nur ein Potential. Durch ihre Vereinigung verwirklichen sie dieses Potential gegenseitig. Auf diese Analogie von Mann und Frau weist der Name Elohim selbst hin. Er ist ein feminines Substantiv mit einem maskulinen Plural. Er legt den Schoß der schwangeren Frau, die absolute Einheit in der unendlichen Vielfalt nahe.

Manche Okkultisten haben die Bedeutung von Elohim als eine Vielzahl von Göttern und Göttinnen beschrieben, als die Vorstellungen des heidnischen Glaubens. Solch eine Assoziation missversteht jedoch die Subtilität dieses göttlichen Namens vollkommen. Zuerst sollte man verstehen, dass mit der Idee von Mutter und Vater nicht zwei Götter gemeint sind, sondern nur einer. Das Prinzip von Kraft und Form, Chochmah und Binah, ist eins in der überirdischen Welt. Als zweites sollte man verstehen, dass die Idee hinter einem weiblichen Substantiv mit einem maskulinen Plural nicht eine Vielzahl von Göttinnen und Göttern nahelegt, sondern eher einen göttlichen Elternteil, der unendlich erzeugen und gebären kann. Drittens ist die Pluralität, die mit dem göttlichen Wesen assoziiert wird eine Vielfalt der Qualitäten, Attribute oder scheinbaren Funktionen, vergleichbar solchen, die eine Person haben kann. Zum Beispiel kann eine Frau bei der Arbeit eine Spezialistin sein, wie eine Lehrerin und als solche mag sie viele verschiedene Quälitäten haben. Gleichzeitig kann sie auch eine Tochter, Schwester, Freundin, Ehefrau, Mutter oder Leiterin eines Vereins sein. Was für Qualitäten, Attribute oder Funktionen ihr auch immer zugeschrieben werden, sie selbst geht über sie hinaus. Sie ist sie selbst.

So ähnlich ist es mit der Beziehung von Gott zu den Qualitäten, Attributen und Funktionen Gottes in der Schöpfung. Elohim als ein Name Gottes bedeutet nicht eine Vielzahl von verschiedenen Göttern und Göttinnen, sondern eher ein höchstes Wesen, dass sich durch unzählige Qualitäten oder Attribute und Funktionen manifestiert. Diese formen die Matrix der Schöpfung. Eine solche Erkenntnis gibt Einsicht in das Wesen der Olamot und Sefirot. Sie sind Elohim, die vielen Qualitäten Gottes in der Schöpfung. Die Sefirot existieren in der heiligen Einheit, die Gott ist. Sie dürfen nicht auf irgendeine Weise getrennt von Gott oder von einander gesehen werden. Sie sind wie die Kabbala sagt “wie die Flamme mit der Kohle verbunden”.

[aus Tau Malachi: Gnosis of the Cosmic Christ. – Saint Paul, MN : Llewellyn, 2005. – S. 121-123]

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Über das Thomasevangelium

Apostel Thomas von Diego Velázquez

Apostel Thomas von Diego Velázquez

Dies sind die geheimen Worte, die Jesus der Lebende sprach und die Didymus Judas Thomas aufgeschrieben hat. Und er sprach: Wer die Interpretation dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken.

(Thomasevangelium Vers 1)

So beginnt das Evangelium des Thomas, das zu den gnostischen Schriften gehört, die 1945 in dem kleinen Ort Nag Hammadi in Oberägypten gefunden wurden und seither als die Nag Hammadi Bibliothek bekannt geworden sind. Es besteht im Gegensatz zu den in der Bibel enthaltenen Evangelien aus einer Sammlung von 114 Versen. Es wird keine handlungsorientierte Geschichte der Person Jesu erzählt, sondern der „lebendige Jesus“ spricht im Geheimen, im Inneren. Christus wohnt in dir, und wenn du in dich gehst, wird Christus zu dir sprechen, dich lehren und dich auf dem Weg des Erwachens führen. Um zu hören und zuzuhören, muß Stille in dir sein. Du mußt frei sein von dir selbst und erfüllt vom Heiligen Geist. Um frei zu sein von dir selbst, mußt du den Heiligen Geist empfangen und durch ihn wiedergeboren werden, so dass du dadurch Jesu *Zwilling wirst. Nur so kannst du selbst Gnosis erlangen.

*Didymos bedeutet Zwilling

Empfehlenswerte Bücher:

Tau Malachi: The Gnostic Gospel of St. Thomas : Meditations on the Mystical Teachings. – Llewellyn, 2004. – 384 S.

Jean-Yves Leloup: Das Evangelium des Thomas. – Spuren Edition, 2008. – 262 S.

Elaine Pagels: Das Geheimnis des fünften Evangeliums. – Dtv, 2006. – 239 S.

Nag Hammadi Deutsch / hrsg. von Hans-Martin Schenke [u.a.]. – Berlin, 2007

(Größte bekannte Sammlung früher gnostischer Schriften, die 1945 durch Zufall in der Nähe der Stadt Nag Hammadi (Ägypten) in Tonkrügen entdeckt wurden)


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Chochmah in Atzilut: Der große Name Gottes

Yah und Yahweh, das Tetragrammaton, ist Chochmah auf der Ebene von Atzilut. Yah besteht aus den Buchstaben Yod und He. Die Spitze des Yod ist Kether und das Universium von Adam Kadmon, der Körper des Yod ist Chochmah und das Universium von von Atzilut. Der Buchstabe He ist Binah und das Universum von Beriyah. Somit ist Yah die Kraft der Überirdischen und drückt die Wahrheit von Chochmah als dem Erzeuger der Kraft am Lebensbaum aus. Die überirdische Kraft, die durch die Sefirot von Beriyah fließt, versorgt das Universum von Yetzirah. So deutet Yah auf Chochmah als der Kraft, die hinter der Welt der Engel (Yetzirah) steht.

Yod und He sind der überirdische Vater und die überirdische Mutter vor der Empfängnis und der Geburt. Verbunden mit Waw und He im Tetragrammaton, sind Yod und He der tatsächliche Vater und die wirkliche Mutter. Die göttlichen Eltern haben den Sohn und die Tochter geboren. Alle fünf Partzufim werden so durch den großen Namen Gottes repräsentiert: Yod-He-Waw-He.

Wenn die Buchstaben vertikal von oben nach unten geschrieben werden, entsteht das Bild eines Menschen. Das besagt, das Yahweh der Kanal der heiligen Schekina Adam Kadmons ist zu den unteren Universen und das die fünf großen Partzfim Ausdruck dessen sind, was in Adam Kadmon enthalten ist – der uranfängliche Mensch.

Ehje ist der höchste Name Gottes, Yahweh ist der große Name Gottes. Worin besteht der Unterschied? Hier gibt es eine direkte Parallele zur Verwendung des zweiten Buchstabens im hebräischen Alphabet (Bet) an Stelle von Aleph. Aleph ist der erste Buchstabe im höchsten Namen Gottes und repräsentiert Gottes Geist oder Essenz, die auch in der Schöpfung enthalten ist. Aber wegen des transzendenten Wesens des Schöpfers beginnt die Schöpfung mit dem zweiten Buchstaben, Bet, der Haus oder Struktur bedeutet, also die Matrix der Schöpfung. Diese Idee beschreibt auch die Beziehung zwischen Ehje und Yahweh. Sie ist ähnlich der Beziehung von Seele und Körper, in diesem Fall einem Lichtkörper und reiner Energie.

Ehje ist wie die Wurzel des Lebensbaums. Er ist das Leben des heiligen Baums. Deshalb ist er der höchste oder essentielle Name Gottes.

Yahweh ist wie der Stamm des Lebensbaums. Alle heiligen Namen gehen wie Zweige von einem Stamm von ihm ab. Deshalb ist Yahweh der große Name Gottes, der alle anderen enthält und durch Yahweh werden alle von Ehje versorgt und tragen Früchte, die Sefirot. Ehje wird auch die erste Herrlichkeit genannt, Yahweh die zweite Herrlichkeit und alle weiteren Namen Gottes die Herrlichkeit der Herrlichkeit (Elohim oder Binah) oder die dritte Herrlichkeit genannt.

Ehje ist in Yahweh wie die Seele im Körper und Yahweh ist wie ein Körper strahlenden Lichts, der Ehje enthält. Yahweh bedeutet: Das was war, ist und immer sein wird. Ehje bedeutet: Ich bin oder ich werde sein. So bedeutet Yahweh ein Ausströmen von Ehje, die Aktivität oder Offenbarung von Ehje, die während sie von Ehje ausgeht gleichzeitig auch immer zu ihm zurückkehrt.

Chochmah-Yahweh ist der Kanal der überirdischen Seinskraft, des überirdischen Lichts, das in der Kabala Ruhaniyut heißt. Ruhaniyut atmet und scheint aus den Sefirot und ebenso um sie herum. Es wird gesagt, dass es eine äußere und innere Ruhaniyut gibt, die aus den Sefirot wie eine Seele scheint und um sie herum wie ein Aura oder ein Kleid. Yahweh ist die innere Ruhaniyut und alle weiteren Namen sind die äußere Ruhaniyut. Ehje ist die innerste geheime Ruhaniyut, die wahre Essenz der inneren und äußeren Ruhaniyut, der strahlende heilige Atem Gottes. Das Wort ist ein Plural, der verschiedene Formen des Lichtatems Gottes nahelegt.

In Genesis haucht Gott Adam das Leben ein. Dabei handelt es sich um Adam Kadmon und Adam Ha-Rishon (den ersten Menschen), das überirdische Ideal der Menschheit. Es wird gesagt, das die Seelen der Gerechten (Tzaddikim) – aller authentischen Menschen – aus der Seele Adam Kadmons gezogen werden. So ist die Ruhaniyut oder der strahlende, heilige Atem Gottes im jedem Menschen. Durch Ruhaniyut sind wird mit den Sefirot, den göttlichen Namen und Partzufim verbunden und in der Lage uns an die Sefirot zu binden und diese an uns, also etwas von der heiligen Schekina zu verkörpern.

Yahweh ist der Name der Namen, die vereinigte Kraft der Ruhaniyut aller Namen Gottes. Yeshua ist dieser Name mit dem Einschub des Buchstaben Shin in der Mitte. Das legt einen Menschen nahe, der die Ruhaniyut in sich verkörpert und sich mit den Sefirot, den göttlichen Namen und Partzufim vereinigt hat. So ist Yeshua nicht nur der Name eines Menschen, sondern jedes erleuchteten Menschen. Dadurch wird die Bedeutung folgendes esoterischen Spruches klar: “Alle sprituellen Kräfte sind dem Namen Yeshua untertan.” oder “vor dem Namen Yeshua soll sich jedes Knie und jeder Kopf beugen.” In und hinter unserem gewöhnlichem Atem ist ein strahlender und heiliger Atem, die Manifestation von Hayyah, der Lebens-Essenz, die Chochmah entspricht. Indem wir diesen inneren, geheimen Atem entdecken und die heiligen Namen sprechen, haben wir die Kraft des gesegneten Namens Yeshua, die Gnosis von Yeshua Messiach.

So gelangen wir zu einem tieferen Verständnis der Ausgießung des heiligen Geistes über die Jünger zu Pfingsten im Beisein der heiligen Braut. Das überirdische Licht ist ein feuriges Licht, der Atem ist sein Fahrzeug und so kann jemand der weiss, wie man atmet und die göttlichen Namen vibriert, den heiligen Geist auf andere übertragen und ihn in ihnen erwecken. Das ist die Grundlage aller christlich-gnostischer Initiation.

(aus Tau Malachi: Gnosis of the Cosmic Christ. – Saint Paul, MN : Llewellyn, 2005. – S. 95-98)

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Chochmah

Chochmah, die Weisheit, ist ebenso unfassbar wie Kether. Wenn Kether die Singularität ist, aus der Urknall hervorgeht, so ist Chochmah der Moment des Urknalls selbst. Dieser Ereignishorizont ist gleichzeitig innerhalb und außerhalb unseres metaphysischen Universums. Im Moment vor dem Urknall gibt es nichts Erkennbares. Mit dem Urknall beginnt alles, was wir kennen. Deshalb wird Chochmah Reshit genannt, der Punkt des Beginns, vor dem wir nichts kennen können.

Die Kontemplation dieses Mysteriums ist möglich mit dem ersten Buchstaben des Tetagrammatons: Yod. Yod wird buchstabiert: Yod, Waw, Dalet. Yod gleicht einem Punkt. Dieser repräsentiert Kether. Ein Punkt hat eine Position, aber keine Dimension. Waw entspricht einer Line. Wenn von einem Punkt eine Linie gezogen wird, entsteht eine Dimension. Dalet entspricht einem Winkel oder zwei Linien mit einem gemeinsamen Schnittpunkt. Wenn zwei Linien von einem Punkt gezogen werden, Höhe und Breite, dann gibt es zwei Dimensionen, eine Ebene oder zweidimensionalen Raum. Die Änderung von Kether zu Chochmah ähnelt der Kontemplation des buchstabierten Yod.

Auf der Ebene von Chochmah sind Raum und Zeit ein Potential, Hayyah Olam = ewiges Leben. Chochmah ist der Augenblick in einem Moment der Zeit der an die Ewigkeit erinnert und immer über die Zeit hinausgeht – die zeitlose Ewigkeit. Chochmah ist die zeitlose Ewigkeit und Binah die zeitliche Ewigkeit, Chochmah ist Ewigkeit und Binah für immer.

Chochmah ist die Kraft, die Energie-Intelligenz, der Kanal der überirdischen Energie, die aus Kether fließt. Es ist Kether in Bewegung gesetzt, die Aktivierung des Potentials von Kether. In Bezug auf Binah ist Chochmah der überirdische Erzeuger aller Lebenskraft. Strahlendes Bewußtsein, strahlende Kraft. Bewußtsein ist Kraft und Kraft ist Bewußtsein.

Das Spiel der Kraft und Form
Chochmah und Binah sind die Spitze der Säulen der Gnade (Jachin) und Strenge (Boaz) im Tempel Salomons. Kether-Da’at ist die Spitze der Säule des Mitgefühl oder der Mittelsäule, die durch die Bundeslade im Allerheiligsten repräsentiert wird.

In ihrem Wesen repräsentieren die beiden Säulen das Prinzipien von Kraft und Form und die dynamische Balance zwischen beiden. An der Spitze der Säule der Gnade ist Chochmah die pure Kraft und an der Spitze der Säule der Strenge ist Binah die pure Form in einem archetypischen Sinn.

Kether ist das Prinzip des Seins, Malchut das Prinzip des Werdens. Die Mittelsäule verkörpert das Prinzip des Werdens, wie es zu substantiellem Sein wird. Dieser Prozeß ist ein dynamisches Spiel von Kraft und Form, dass in Ain (Nichts) wurzelt und ist damit ein konstantes Kontinuum der Transformation. Im Prozeß der Transformation wird Energie in Formen organisiert und ist manifest als diese, bis sich die Form weiterentwickelt und die Energie wieder abgegeben wird in den Fluß der Kraft (Licht), um wieder zu neuen Formen zu werden. Dabei wird die Energie niemals in ihrer Essenz oder ihrem Sein verändert und nichts von dieser Energie geht jemals verloren. Sie bleibt die Selbe für immer und alle Ewigkeit.

Obwohl es auf der Ebene der überirdischen Sephiroth keinen tatsächlichen Unterschied zwischen der Kraft im formlosen oder geformten Zustand gibt, keine Geburt und keinen Tod, erscheint das Spiel von Kraft und Form in den unteren Universen des Baums als Tanz von Leben und Tod. So können wir dieses Spiel von Kraft und Form in unserer eigenen Erfahrung als Geburt, Leben, Tod und als die Transmigration der Seele kontemplieren.

Die Seele ist die Kraft oder Energie des Lebens, eine Individuation der einen Lebenskraft. Sie wird Hayyah genannt. Die himmlische Form unserer Seele, die verwirklicht wird durch die Transmigration der Seele, ist Neshamah. Was wir vom Neshamah erkennen ist Ruach. Die Namen und Formen, Inkarnationen, sind die Nefeshim.

Chochmah auf der Ebene von Beriyah – der Erzengel Ratziel
Der Erzengel Ratziel ist die Personifizierung von Chochmah auf der Ebene von Beriyah. Nur sehr wenige Eingeweihte können Chochmah in Atzilut erreichen, deshalb kommen die meisten Eingeweihten und Adepten durch diesen Engel in Kontakt mit Chochmah. Sein Name bedeutet “Geheimnis Gottes” oder “Weisheit Gottes”. Er hat das Wissen über die höchsten Mysterien, speziell Prophezeiungen und die magische Kabbala betreffend. Man sagt, dass der Engel diese Mysterien in einem himmlischen Buch niedergeschrieben hat, dem Buch des Ratziel. Wie so viele andere legendäre heilige Bücher der Kabbala, können wir im Buch des Ratziel in in höheren Bewußtseinszuständen lesen, am häufigsten in Träumen und visionären Zuständen tiefer Meditation. Obwohl mindestens ein irdisches Buch mit diesem Titel geschrieben wurde und viele weitere Bücher der magischen Kabbala davon inspiriert wurden, passt das Buch des Ratziel in keinen irdischen Band. Es umfasst die unendliche Weisheit Gottes in der Schöpfung und alle Geheimnisse der Schöpfung mit Ausnahme der Schöpfung Adams (des Menschen).

Ebenso wie es ein magisches Buch ist, ist es ein himmlisch Buch irdischer Prophezeihungen. Alle wissenschaftlichen und künstlerischen Entdeckungen und deren Wirkungen sind in ihm enthalten. Aus der Perspektive von Ratziel oder Hokmah von Beriyah haben alle Offenbarungen und Entdeckungen bereits stattgefunden. Die Magie von heute ist die Wissenschaft von morgen, und die Prophezeihungen von heute werden kreative Kunst von morgen. In einer gewissen Beziehung könnte Ratziel auch als die überirdische Muse betrachtet werden.

Das Buch des Ratziel in tatsächlich eine Metapher für den Geist dieses überirdischen Engels. Der Inhalt dieses heiligen Buches ist das Wissen und Verständnis, das bei Kontakt mit dieser Manifestation der heiligen Schekina und dem Eintreten in höhere Bewußtseinszustände übermittelt wird. Es ist typisch für die Kabbala, dass sie in menschlichen, anthropomorphen Begriffen von himmlischen und spirituellen Dingen spricht.

Bild des Erzengels Ratziel in der Meditation
Er trägt eine graue, aus Wolken geformte Robe mit Kapuze, sein Gesicht scheint aus der Kapuze hervor wie die Sonne durch die Wolken, und die Robe ist von innen erleuchtet, als wäre die Sonnenkugel in ihr. Dadurch fließen Regenbogenlichter von diesem Bild in alle Richtungen. Den Hintergrund der Visualisierung bildet ein tiefblauer, kristallklarer Himmel, so als hätte der Engel die Wolken zusammengezogen, um sein Bild zu formen. In der linken Hand hält Ratziel einen heiligen Stab, dessen Spitze ein geschnitzter Drachenkopf schmückt und die Buchstaben des heiligen Names Yahweh, Yod-He-Waw-He, sind in den Stab eingraviert und brennen wie Feuer. Chant: Yahweh und Ya Ratziel.
Durch die Vizualisation dieses göttlichen Bildes können wir unter Umständen mehr über Chochmah erfahren, als durch alles hier genannte.
Der Tradition zufolge war Raziel der Schutzengel des überirdischen Adam im Garten Eden und gilt deshalb als der große Beschützer und Führer der Erwählten. Obwohl Gabriel als Bewahrer des heiligen Grals angesehen wird und Michael der Beschützer des Grals genannt wird, ist es Ratziel, der die innersten Geheimnisse des Grals kennt, denn er ist der große Engel der Braut Sophia in unserer Tradition. In dieser Form von Ratziel zu sprechen soll besagen: die Heiligen und Auserwählten werden bei ihrer heiligen Arbeit inspiriert und geführt durch die Weisheit der Schöpfung und streben danach, in vollständiger Harmonie mit dieser göttlichen Weisheit zu handeln.

(aus Tau Malachi: Gnosis of the Cosmic Christ. – Saint Paul, MN : Llewellyn, 2005. – S. 90-92 u. 106-108)

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Das Fest der Kreuzigung und Wiederauferstehung

Noli Me Tangere von Alexander A. Iwanow

Jesus erscheint Maria Magdalena von Alexander A. Iwanow

Das Fest der Kreuzigung und Wiederauferstehung feiern wir zur Tag- und Nachtgleiche im Frühling – dem Zeitpunkt im Sonnenjahr, wenn das Licht die Hälfte seines Aufstiegs erreicht hat und wir eine Erneuerung des Lebens in der Natur beobachten können. Thema des Festes ist das Mysterium der Kreuzigung und Wiederauferstehung, wie es in der Sophia-Gnostik verstanden wird, mithin die Kraft der Erlösung durch die Offenbarung des auferstandenen Christus.

Die äußeren, inneren und geheimen Lehren des heiligen Evangeliums bilden in der Sophia-Tradition eine Einheit. So stehen die wesentlichen Punkte des Glaubens der äußeren Kirche in keinem Widerspruch zu den esoterischen Lehren der inneren Kirche. Sophia-Gnostiker feiern das Mysterium des tatsächlichen Todes und der Wiederauferstehung, wir feiern die Gnade der Erlösung durch das heilige Opfer ebenso wie die göttliche Offenbarung, die dadurch stattfindet, die Gnosis des auferstandenen Christus.

Was diese Gnosis bedeutet, wird für jeden Eingeweihten verschieden sein. Es hängt von ihrem / seinem Glauben und der eigenen Erfahrung des auferstandenen Christus ab, ihrem eigenen Wissen und ihrem Verständnis des heiligen Evangeliums. Es muss aber gesagt werden, dass Sophia-Gnostiker das Kommen des auferstandenen Christus nicht als „mythisch“ sehen, nicht so, als wäre es eine weitere mythische Geschichte des getöteten und auferstandenen Gottes. Eher sehen wir das Mysterienspiel des Evangeliums als die Erfüllung dessen, was Weise in erleuchteten heidnischen Traditionen erahnten und was Propheten im Alten Israel in Visionen schauten: das Erscheinen einer erleuchteten und befreiten Menschheit.

Diese Geschichte wird auch im Buch der Natur erzählt: Es ist die Geschichte von der Raupe, die zum Schmetterling wird. Ein erdgebundenes Geschöpf, das völlig transformiert wird und sich auf eine äußerst strahlende und wunderbare Weise in die Lüfte erhebt. Dies spiegelt genau das Mysterium der Kreuzigung und Auferstehung wieder, wie es von Sophia-Gnostikern verstanden wird.

Der Fokus des Festes hängt in jedem Jahr davon ab, was unter den Gefährten des spirituellen Kreises gerade passiert. Im allgemeine liegt der Hauptfokus aber eher nicht auf der Passion und Kreuzigung, wie das in der äußeren Kirche der Fall ist, obwohl das manchmal auch möglich ist. Wenn man die gnostischen Evangelien, wie z. B. Pistis Sophia, studiert und kontempliert, gewinnt man Einsicht in die häufigsten Schwerpunkte: die Lehren und die Offenbarung des auferstandenen Christus.

Wie wir in der Pistis Sophia sehen, beginnen die gnostischen Evangelien dort, wo die kanonischen Evangelien enden: mit dem Kommen des auferstandenen Retters. Deshalb ist unser Schwerpunkt die Offenbarung des auferstandenen Christus. Tatsächlich beschäftigen wir uns mit dem Mysterium des erlösenden Prozesses des Kreuzes – der Vergebung von Sünde (oder dem Auflösen negativen Karmas) und wie dadurch das Heiligtum der göttlichen Gnade offenbart wird (das Mysterium der Erlösung). Aber darin und dahinter steht die Auflösung oder Transformation der Unkenntnis und Ignoranz durch die Offenbarung der Pleroma des Lichtes. Es ist das Erlöschen der Ursache unserer Gefangenschaft in der Herrschaft des Demiurgen und seines Schattens. Das ist es, was wir am häufigsten beim Fest der Kreuzigung und Wiederauferstehung betonen.

Mögen alle mit der heiligen Gnosis des Auferstandenen Christus gesegnet sein, so dass wir im Leben und zum Zeitpunkt unseres Todes in der großen Wiederauferstehung und im Aufstieg bleiben; amen.

[Übersetzt aus: Tau Malachi: The Feast of the Crucifixion and Resurrection. - Forum der Sophia Fellowship]

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Über die leuchtende Darstellung des Geistes

Alles, was wir erleben, ist eine leuchtende Darstellung des Geistes. Oft ist uns dies nicht bewußt. Die meisten Menschen betrachten sich als getrennt von Gott. Doch liegt allem die gleiche göttliche Bewußtseinsenergie zugrunde, dem Guten und dem Schlechten. In allem ist der gleiche göttliche Funke. Wenn wir das verstehen, leben wir nicht mehr in Ignoranz. Wir können bewußt handeln, statt unbewußt zu reagieren. Wenn wir Stolz, Arroganz, Eifersucht, Gier, Furcht, Hass und ähnliches empfinden, sind wir oft nur in der Lage, unseren unbewußten Reaktionen zu folgen, statt durch bewußtes Handeln die Situation zu transformieren.

Jedoch liegt hierin unsere spirituelle Hoffnung. Durch die Hingabe an das Göttliche werden wir transformiert und über das Handeln in Einheit mit Gott informiert. Wir können all unsere Kräfte darauf richten, in Einheit mit dem Göttlichen zu leben und in diesem Leben Erleuchtung zu erlangen. Letztendlich ist es jedoch die Gnade Gottes, die alles für uns erreicht und uns transformiert. Darauf können wir vertrauen.

Unser Leben ist mit unseren Traumerfahrungen vergleichbar. Solange wir nicht luzid träumen und verstehen, dass alle unsere Träume eine leuchtende Darstellung unseres Geistes sind, bleiben wir der Traumerfahrung unbewußt ausgeliefert. Wenn wir aber beginnen, luzid zu träumen, können wir, je nach unseren erworbenen Fähigkeiten, unseren Traum beeinflussen und lenken. Wir sind ihm nicht mehr unbewußt ausgeliefert.

Und so ist es auch im täglichen Leben. Hier wird jedoch unsere Geduld geprüft, denn im inkarnierten Zustand und der materiellen Dimension ist alles, was geschieht, ein großer kollektiver Traum, in dem viele schlafen. Indem wir erwachen, transformieren wir die Welt um uns herum.

Mögen alle Seelen erwachen im Auferstandenen Christus und an der großen Transformation teilhaben. Amen.

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Das Fest Johannes des Täufers oder das Fest der Taufe

Die Taufe Christi von David Zelenka

Die Taufe Christi von David Zelenka

Nach dem Fest der Mutter und des Kindes zur Wintersonnenwende feiern wir am 2. Februar das Fest Johannes des Täufers oder das Fest der Taufe. Es ist die Zeit im Sonnenjahr, zu der das Licht zunimmt oder sich ausdehnt. Für uns repräsentiert diese Zeit den Beginn der göttlichen Erleuchtung in Meister Yeshua, den Beginn der Bewegung seines irdischen Amtes, des Predigens des Evangeliums der Wahrheit, welches den Weg der Erleuchtung darstellt. Der Sophia-Gnostischen Tradition zufolge wird Yeshua nicht als Messias geboren. Er wird zum Messias, als er durch Johannes im Heiligen Jordan getauft wird. In diesem Moment geht der Geist des Messias in ihn ein und erleuchtet ihn.

Es wird erzählt, dass Yeshua zwei Lehrer hatte. Einer lehrte ihn die Gesetze und Schriften, und der andere gab die mystische Tradition an ihn weiter. Johannes der Täufer aber war der sprituelle Lehrer, der seine Ausbildung vollendete und ihn einweihte, er war sein Heiliger Tzaddik (Meisterlehrer). Die Taufe repräsentiert eine Einweihung oder spirituelle Ermächtigung, durch die das spirituelle Leben und die Übungen Meister Yeshuas zur Reife gebracht werden. Deshalb erfolgt die Übertragung des Lichtes und seine Integration in die Persönlichkeit des Meister während seines spirituellen Rückzuges und der Versuchung in der Wüste.

Einerseits feiern wir bei diesem Fest im Sonnenjahr Johannes den Täufer als Reinkarnation des Propheten Elija. Er ist der Prophet des Evangeliums (der guten Nachricht) und der Tzaddik des Messias. Mit ihm erfüllt sich das Versprechen, dass Elija Elischa in einer früheren Inkarnation gab: er versprach ihm das Doppelte seiner prophetischen Kraft als Erfüllung seiner Jüngerschaft.

Andererseits feiern wir die Erleuchtung Meister Yeshuas, indem er in seine Kraft eintritt und das Evangelium der Wahrheit empfängt. Im Grunde ist es das Fest des Mysteriums der Lichtübertragung auf einer neuen Stufe, die sich durch Johannes den Täufer und den Messias manifestiert – die überirdische Lichtübertragung. Sie löst die Folge der Propheten ab und wird die Grundlage der gnostisch-apostolischen Nachfolge.

Auf diese Weise wirkt Johannes der Täufer wie eine Hebamme bei der Geburt des Messias in Yeshua. Das Amt Yeshuas geht hervor aus dem heiligen spirituellen Kreis Johannes des Täufers, das Kontinuum der Lichtübertragung manifestiert sich auf einer höheren Stufe.

Diese Lehren spiegeln die Sophia-Gnostische Sicht des Messias: er ist ein verwirklichtes und erleuchtetes Wesen, das überirdisches oder messianisches Bewußtsein verkörpert. Er erkennt die angeborene Einheit des Menschen mit Gott und Gottkopf und ist ein „Gnostischer Offenbarer“, der den Weg zur Erleuchtung und Befreiung öffnet, der Lehren übermittelt und Einweihungen gibt, durch die die Erleuchtungserfahrung, die gnostische Erfahrung, geschieht.

Die Sicht der Sophia-Gnostik auf die prophetische Folge gründet sich auf die Verwirklichung von höheren Stufen des seelischen Bewußtsein und dabei speziell auf die Erfahrung des kosmischen Bewußtseins mit seinen entsprechenden Graden der Lichtübertragung. Obwohl das kosmische Bewußtsein in der gegenwärtigen Verfassung der Menschheit ein sehr erhabener Grad der Verwirklichung ist, bedeutet er nicht die vollständige Erleuchtung und befreit deshalb den Seelestrom auch nicht vom Gilgulium, dem Zyklus der Wiedergeburten und der Gesamtheit. Das überirdische und überseelische Bewußtsein jedoch geht über das seelische und lebensnotwendige Bewußtsein hinaus. Es repräsentiert die vollständige Erleuchtung, die den Seelenstrom befreit und damit die Erfüllung der göttlichen Gnosis ist, der Lichtmensch, verkörpert durch Meister Yeshua, den Messias.

Dies ist das Mysterium, das wir zum Fest der Taufe erforschen und feiern. In ihm sind viele Mysterien und so ändert sich unser Fokus von Jahr zu Jahr. Jedoch findet sich das Wesen dieses Festes in einer sehr einfachen Übung, die wir jedem Anfänger geben: in sich zu gehen und zu bleiben mit der bewußten Absicht, sich dem Licht der Mutterkraft (des Heiligen Geistes), dem Licht von oben zu öffnen. Wir rufen unsere eigene Erfahrung der inneren Taufe durch das göttliche Licht und die feurige Intelligenz, den Heiligen Geist, in uns wach.

Thema des Festes in einem Jahr könnten Johannes der Täufer und seine Lehren sein oder das Mysterium der Jüngerschaft. Thema könnte auch das Ereignis der Taufe im Heiligen Jordan und damit verbundene Mysterien sein oder vielleicht ein Rückzug in die Wüste und die folgende Versuchung. Wir könnten uns sogar auf die Mysterien der Predigt des heiligen Evangeliums und die spirituelle Arbeit des Erdenamtes des Meisters konzentrieren. Worauf wir uns auch immer in einem bestimmten Jahr fokussieren, innerlich rufen wir die Erfahrung der Empfängnis des Lichtes von oben in uns wach und erinnern uns an das Erwachen der feurigen Intelligenz in uns. Es ist die vom Heiligen Geist übermittelte Einweihung, durch die Erleuchtung und Befreiung kommt.

Den Meistern zufolge gibt es eine äußere, innere und geheime Taufe, die den Taufen mit Wasser, Feuer und Geist entspricht. Das Mysterium der Taufe kann sehr unterschiedlich sein, je nachdem welche Stufe wir erforschen. Aber in Wahrheit sind alle „drei Taufen“ ein Zyklus, denn wie wir an Meister Yeshua sehen, können alle drei gleichzeitig stattfinden als eine Bewegung des Heiligen Geistes.

Wie bei allen Hauptfesten in der Sophia-Tradition gibt es keine feste Liturgie oder ein Schema. In der Regel folgen wir einem generellen Thema und konzentrieren uns auf einen oder mehrer Aspekte dieses Mysteriums des Heiligen Evangeliums. Wir gestalten darauf basierend ein Ritual oder Psycho-Drama. In alle Hauptfeste integrieren wir das Fest des Brot und des Weines (Hochzeitsfest).

Dies ist das zweite heilige Fest im Sonnenjahr, dem das Fest der Kreuzigung und Wiederauferstehung, unser „Ostern“, zur Tag- und Nachtgleiche im Frühling folgt.

Mögen wir gesegnet sein, das Licht von oben zu empfangen und unsere Taufe zur Erfüllung zu bringen in Göttlicher Gnosis, dem Auferstandenen Christus; amen.

[Übersetzt aus: Forum der Sophia Fellowship, Tau Malachi: The Feast of John the Baptist]

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