Archiv für November, 2007

Feiertage in der Sophia-Gnostik

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Weisheit des Herzens

Selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.

Evangelium des Matthäus, 5:8

In den christlich-gnostischen Lehren wird gesagt, dass der innewohnende Christus sich im Herzen befindet und in der Sophia-Gnostik ist oft die Rede davon, dass sich die spirituelle Sonne in und hinter der Mitte des Herzens befindet. Deshalb ist der Grundstein der spirituellen Übungen in unserer Tradition die Öffung des Zentrum des Herzens und das Hineingehen und Leben im Heiligtum des Herzens. Aus diesem Grunde beginnen die meisten mystischen Gebete und Meditationen in der Sophia-Gnostik mit der Visualisierung der spirituellen Sonne im Herzen, indem wir ununterbrochen unsere Aufmerksamkeit auf diese heilige Mitte lenken – das Heilige Herz.

Die Redewendung „in und hinter dem Herzen“ mag am Anfang etwas merkwürdig klingen, aber sie weist auf eine Wahrheit in unserer Erfahrung des Insichgehens hin. Wenn wir hineingehen in das Heiligtum des Herzens, entdecken wir, dass das, was wir am Anfang als „Herz“ bezeichnen, nicht in Wahrheit die Mitte unseres Herzens ist. Es ist eher eine schwerwiegende Verkrustung unseres Herzens. Selbstsucht, Lust-Gier und Furcht-Haß verdecken und verdunkeln die Reinheit des Herzens und formen ein Art dunkle Hülle, die es einschließt. Deshalb spricht man in der christlichen Gnostik von der Beschneidung des Herzens – dem Entfernen dieser Hülle aus Lebensenergie vom Zentrum des Herzens.

Wir sprechen oft davon, dass unser Herz bricht. Aber tatsächlich ist es nicht die Mitte unseres Herzens, die zerbricht; es ist die Hülle aus Unklarheit und Dunkelheit, die zerschlagen wird. Diese Hülle ist das Produkt der Ego-Illusion und wird geformt aus Stolz und Arroganz, Neid und Eifersucht, Lust und Gier, Ärger und Haß, Unsicherheit und Zweifel, Gefühlen der Zurückweisung und des Betrugs, aus all der Trauer und den Schmerzen der persönlichen Geschichte und jeder Art von Negativität, die man benennen kann. In Wahrheit müssen wir unserem Herzen erlauben zu brechen und zerschlagen zu werden. Wenn das geschieht, werden wir entdecken, dass es nicht unser Herz war, sondern die Umhüllung, die zerbrach. Tatsächlich werden wir uns klarwerden, dass dieses „Zerbrechen des Herzens“ in Wahrheit das Sich-Öffnen der Herzensmitte ist.

In unserer Angst vor einem gebrochenen Herzen versuchen wir Trauer und Schmerz, die im Leben einhergehen mit Freude und Angenehmem, zu vermeiden, und dadurch entsteht die Verkrustung unseres Herzens. Wenn wir aber dem Herzen erlauben zu brechen und Trauer und Schmerz ebenso annehmen wie Freude und Spaß, zerfällt die Hülle aus Unklarheit und Dunkelheit und es offenbart sich unser wahres Herz, das angeborener Weise liebend, mitfühlend und licht ist. Wir werden entdecken, dass das Herz unendlich groß ist und dass es dort Platz für jeden und für alles gibt – ein Zustand des An-Nichts-Hängens und Nichts-Ablehnens, der die heilige Aufmerksamkeit und heilige Einheit widerspiegelt. Es ist die Erkenntnis der angeborenen Güte in uns und anderen, die in ihrem Wesen Christus ist, die lebendige Gegenwart und Kraft Gottes.

Natürlicherweise entfällt die äußere Trennung in Freunde, Fremde und Feinde, es gibt nicht mehr Heilige und Sünder, Engel und Dämonen, Licht und Dunkelheit. Es gibt nur noch die Gegenwart der Aufmerksamkeit, die das göttliche Wesen in allen Dingen und über allen Dingen wahrnimmt. Es ist, als ob alle und alles das Gesicht des Geliebten sind. Es ist eine Erfahrung, die über alles hinausgeht und nicht mit Worten zu beschreiben ist. Es ist das natürliche Ergebnis des von sich Leerwerdens, eines mystischen Todes und einer Wiedergeburt im Geist, völlige Hingabe an den göttlichen Willen; sich selbst zu erlauben völlig verzehrt zu werden von dem heiligen Verlangen nach Vereinigung mit dem göttlichen Wesen. So spricht Yeshua in der Bergpredigt vom spirituellen Leben und den Übungen auf dem Weg zum Christus-Bewußtsein, jedoch spricht er gleichzeitig von den einzelnen Ebenen, die auf dem Weg dorthin durchquert werden müssen. Es ist eine unentbehrliche Lehre auf dem Weg der Erkenntnis.

(Übersetzt aus Tau Malachi: Living Gnosis. – Llewellyn, 2005, S. 159-161)

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Was ist Gnosis?

„Gnosis“ ist das griechische Wort für „Wissen“ genauso wie das hebräische Wort Da’at, das ebenfalls „Wissen“ bedeutet. Unter Gnostikern hat das Wort „Wissen“ jedoch nicht die gleiche Bedeutung, die ihm im allgemeinen in unserer modernen Sprache gegeben wird: etwas Intellektuelles oder ausschließlich mit dem Verstand assoziiertes; noch beschreibt es das Sammeln von Informationen aus äußeren Quellen. Für einen Gnostiker bedeutet Gnosis ein spirituelles und intuitives Wissen, das er aus seinem inneren Selbst und durch seine eigene mystische Erfahrung erlangt. Es ist ein Wissen, gewonnen durch eine ganzheitliche Intelligenz des Herzens und der Seele , des Geistes und des Körpers – ein „direktes Wissen“. Im engeren Sinne ist Gnosis ein Zustand göttlicher Erleuchtung und kennzeichnet einen höheren Bewußtseinszustand. Im weitesten Sinne ist Gnostik eine Sammlung von Lehren, die in der Gnosis begründet sind, oder ein spiritueller Weg, der zur Gnosis führt und ein Gnostiker ist eine Person, die Gnosis selbst erlangt hat.

(Übersetzt aus: Tau Malachi: Living Gnosis. – Llewellyn, 2005)

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Meditationsbeispiele – 1. Stiller Beobachter

Die „Stiller Beobachter“ genannte Meditationsübung dient der Beobachtung des seelisch-emotionalen Zustandes, aller Gedanken und Gefühle die auftauchen, ohne sie zu beurteilen, sie festzuhalten oder eine Abneigung gegen sie zuzulassen. Man beobachtet einfach was geschieht, innerlich und äußerlich, ohne sich mit dem was geschieht zu identifizieren.

Solange wir uns mit dem, was in unserem Bewußtsein geschieht identifizieren, sind wir machtlos, es tatsächlich zu verändern. Wenn wir uns aber entfernen können von unserer Selbstidentifikation mit Gedanken und Emotionen, und sogar mit Ereignissen im Leben, gewinnen wir die Kraft zur Veränderung. Dabei entdecken wir ebenfalls, dass oft schon durch das Loslösen der Selbstidentifikation von seelisch-emotionalen Phänomenen und Ereignissen im Leben und dadurch, dass man das Geschehende ins Licht der Aufmerksamkeit bringt, sich die meisten Probleme natürlich und spontan lösen. Im Grunde ist die Übung des „Stillen Beobachters“ eine Übung zum Wissen über sich selbst und entwickelt die Aufmerksamkeit für sich selbst – wir nennen es Gegenwart des Aufmerksamkeit.

Zu jeder Zeit, überall, lass einfach los und werde der stille Beobachter von allem das in dir und um dich herum geschieht. Werde dir deines Körpers bewusst und lasse deine Aufmerksamkeit über ihn wandern. Bemerke seine Haltung und alle Empfindungen in deinem Körper, einschließlich aller Spannungen und Belastungen. Dann verlagere deine Aufmerksamkeit auf die Gefühle, die den körperlichen Empfindungen zugrunde liegen, werde dir dadurch deiner Gefühle und Empfindungen bewußt. Dann verlagere deine Aufmerksamkeit auf die Gedanken, die mit den Gefühlen und Empfindungen verbunden sind. Frei von jedem Urteil, ohne daran festzuhalten oder abzuwehren beobachte im Stillen was geschieht.

Diese Übung kann bei jeder Aktivität im täglichen Leben durchgeführt werden. Es ist eine der Schlüsselmethoden, mit der Christliche Gnostiker ihre spirituellen Übungen in den Alltag integrieren. Man kann diese Übung längere Zeit durchführen, aber schon 5 oder 10 Minuten hier und dort am Tag, sind sehr wirksam und nützlich. Es ist unser Ziel, die meiste Zeit in der Gegenwart der Aufmerksamkeit zu bleiben und dieses Ziel erreicht man durch gleichbleibende Übung.

Beobachten ist nicht etwas, das man tun muß, es ist die Erkenntnis, dass Aufmerksam da ist. Aufmerksamkeit ist immer da, selbst wenn man gänzlich mit Tätigkeiten oder Gedanken beschäftigt ist. „Du“ strengst dich vielleicht an, zu beobachten, doch während dein „Du“ aufmerksam zu sein scheint, ist es in Wirklichkeit dieses „Du“, das sich anstrengt, dass beobachtet wird.

(Aus: Ecclesia Pistis Sophia – Study & Practices)

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