Meditationsbeispiele – 1. Stiller Beobachter

Die „Stiller Beobachter“ genannte Meditationsübung dient der Beobachtung des seelisch-emotionalen Zustandes, aller Gedanken und Gefühle die auftauchen, ohne sie zu beurteilen, sie festzuhalten oder eine Abneigung gegen sie zuzulassen. Man beobachtet einfach was geschieht, innerlich und äußerlich, ohne sich mit dem was geschieht zu identifizieren.

Solange wir uns mit dem, was in unserem Bewußtsein geschieht identifizieren, sind wir machtlos, es tatsächlich zu verändern. Wenn wir uns aber entfernen können von unserer Selbstidentifikation mit Gedanken und Emotionen, und sogar mit Ereignissen im Leben, gewinnen wir die Kraft zur Veränderung. Dabei entdecken wir ebenfalls, dass oft schon durch das Loslösen der Selbstidentifikation von seelisch-emotionalen Phänomenen und Ereignissen im Leben und dadurch, dass man das Geschehende ins Licht der Aufmerksamkeit bringt, sich die meisten Probleme natürlich und spontan lösen. Im Grunde ist die Übung des „Stillen Beobachters“ eine Übung zum Wissen über sich selbst und entwickelt die Aufmerksamkeit für sich selbst – wir nennen es Gegenwart des Aufmerksamkeit.

Zu jeder Zeit, überall, lass einfach los und werde der stille Beobachter von allem das in dir und um dich herum geschieht. Werde dir deines Körpers bewusst und lasse deine Aufmerksamkeit über ihn wandern. Bemerke seine Haltung und alle Empfindungen in deinem Körper, einschließlich aller Spannungen und Belastungen. Dann verlagere deine Aufmerksamkeit auf die Gefühle, die den körperlichen Empfindungen zugrunde liegen, werde dir dadurch deiner Gefühle und Empfindungen bewußt. Dann verlagere deine Aufmerksamkeit auf die Gedanken, die mit den Gefühlen und Empfindungen verbunden sind. Frei von jedem Urteil, ohne daran festzuhalten oder abzuwehren beobachte im Stillen was geschieht.

Diese Übung kann bei jeder Aktivität im täglichen Leben durchgeführt werden. Es ist eine der Schlüsselmethoden, mit der Christliche Gnostiker ihre spirituellen Übungen in den Alltag integrieren. Man kann diese Übung längere Zeit durchführen, aber schon 5 oder 10 Minuten hier und dort am Tag, sind sehr wirksam und nützlich. Es ist unser Ziel, die meiste Zeit in der Gegenwart der Aufmerksamkeit zu bleiben und dieses Ziel erreicht man durch gleichbleibende Übung.

Beobachten ist nicht etwas, das man tun muß, es ist die Erkenntnis, dass Aufmerksam da ist. Aufmerksamkeit ist immer da, selbst wenn man gänzlich mit Tätigkeiten oder Gedanken beschäftigt ist. „Du“ strengst dich vielleicht an, zu beobachten, doch während dein „Du“ aufmerksam zu sein scheint, ist es in Wirklichkeit dieses „Du“, das sich anstrengt, dass beobachtet wird.

(Aus: Ecclesia Pistis Sophia – Study & Practices)

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