Den Text des Thomasevangeliums findet ihr unter
http://www-user.uni-bremen.de/~wie/texteapo/thomas.html
oder unter
http://www.meyerbuch.de/pdf/Thomas-Evangelium.pdf
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„Jesus sprach: Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet; und wenn er findet, wird er erschrocken sein; und wenn er erschrocken ist, wird er verwundert sein, und er wird König sein über das All.“
Jesus said, „Let him who seeks continue seeking until he finds, When he finds he will become troubled. When he becomes troubled, he will be astonished, and he will rule over the all.“ (Übersetzung von Tau Malachi)
Um den Geist der Wahrheit zu finden, musst du suchen, bis du erkennst, dass der Geist dir innewohnt und bis du die Wahrheit durch deine eigene Erfahrung erkennst. Es genügt nicht, dass eine andere Person die Wahrheit entdeckt hat. Jeder muss selbst nach der Wahrheit suchen und streben, wenn er seine Seele befreien und erwecken will zur bewußten Einheit mit Gott.
Dieses Streben ist die Suche nach dem heiligen Gral, der nicht ein physisches Relikt oder eine heiliger Pokal, nicht etwas außerhalb von einem selbst ist. Der heilige Gral ist viel eher das gereinigte und geweihte Herz, Seele, Geist und Leben; er ist man selbst, wenn man offen und empfindsam ist für den Christus-Geist, so dass man sein Leben wie Christus führt. Der Gral ist das Herz, in dem der Herr wohnt, der Mensch, der die uns innewohnende Geistverbindung entdeckt hat und im inneren lebendig ist. Er ist das Christ-Selbst, der Logos und die Sophia Gottes, das innere und höhere Selbst, dass unser geheimes Zentrum und unsere heilige Wurzel ist.
Nun sind das nur Worte, Konzepte im Geist. Es ist der Charakter dieser heiligen Suche, das man eine Vokabel, einen Namen oder ein Konzept hat, für das, was man sucht, eine Vorstellung, was es sein kann, wie und wo es gefunden werden kann. Aber in Wirklichkeit weiss man nicht, wonach man sucht, wie, wo und wann man es finden kann. Welche Vorstellung man auch immer haben mag, sie ist wahrscheinlich eher ein Hindernis oder eine Blockierung beim finden dessen, was du suchst, eher irreführend als hilfreich.
Wenn die Suche auf vorgefasste Meinungen, Vorbedingungen und Erwartungen gegründet ist, auf wer und was du denkst zu sein, dann wird die Suche selbst zur Behinderung und du kannst nicht entdecken, was du suchst. Wenn du nach etwas suchst, das nicht existiert, oder auf eine Art und an einem Platz, wo es nicht zu finden ist, wirst du es tatsächlich nicht entdecken.
Von vornherein musst du verstehen, dass das Wesen Gottes sehr verschieden von allem ist, das du dir vielleicht vorstellst und das du selbst nicht bist, was du vielleicht denkst zu sein. Was immer deine vorgefassten Meinungen, Vorbedingungen und Erwartungen sein mögen, das zusammenhängende Ganze der Wirklichkeit und Wahrheit Gottes ist noch mehr und kann nicht vom gradlinig denkenden Verstand oder dem dualistischen Bewußtsein erfasst und verstanden werden. Gott wird immer ein Geheimnis sein, der Namenlose und Unbekannte. Gott ist vollkommen anders als man denken mag. Dieses zu entdecken ist beunruhigend und erschüttert einen im Innersten!
Dem HERREN nahe zu kommen ist zutiefst beunruhigend, denn ich muss NICHTS werden, LEER von mir selbst, so das der HERR eintreten und der heilige Geist mich erfüllen kann. Gott ist NICHTS (Ain) und ich muß nichts werden, um mich mit dem HEILIGEN EINEN DES LEBENS zu vereinen.
Wenn du glaubst, etwas zu sein, eine dauerhafte und unabhängige Eigenexistenz zu haben, eine feste und feststehende Person zu sein, ist es sehr beunruhigend zu entdecken, dass dein geheimes Inneres NICHTS ist, dass du LEER bist von einer dauerhaften und unabhängigen Eigenexistenz. Wenn du das jedoch entdeckst, wirst du begreifen, dass es das Wesen von allem Existierenden ist. Du entdeckst, dass alles unbeständig ist, dass sich alles verändert. Die Realität ist LEER von jeder dauerhaften und unabhängigen Eigenexistenz. Es gibt nur den HEILIGEN EINEN DES LEBENS, den EINEN-OHNE-ENDE (Ain Sof). Doch in dieser Gnosis erlangt der Prophet oder Apostel Gottes die Herrschaft über das Universum, den alles ist die magische Darstellung des göttlichen Geistes, der Seele Christus.
Es gibt noch eine andere Art von Beunruhigung, die mit dem dämmern höheren Bewußtseins, wenn man dem HERRN näher kommt, eintreten kann. In der heiligen Einheit, die Gott darstellt, begegnest du uneingeschränkter und höchster Vollkommenheit, der uranfänglichen LEERE, die gleichzeitig die göttliche Fülle ist. Vor der Vollkommenkeit des HERRN ist deine eigene Unvollkommenkeit ein greller und krasser Kontrast, eine zutiefst beunruhigende und wirklich schmerzliche Sache. Indem du dem HERREN näher kommst, entdeckst du, wie weit du von Gott entfernt bist. Das ist die Ursache für die dunkle Nacht der Seele, von der die Mystiker auf ihrer Reise sprechen.
Jeder der sucht muss gewillt sein, die Beunruhigung zu ertragen, die mit dem Finden kommt, gewillt sein, die dunkle Nacht der Seele auszuhalten und die Prüfung der Einweihung. Der mystischer Tod geht der Auferstehung voraus; das Herabsteigen in die Tiefe geht jedem Aufstieg voraus. Der lebendige Yeshua hat den Weg vor uns geöffnet und ihn uns gezeigt. Auch wir müssen sterben und wiedergeboren werden, herabsteigen in die Tiefe und aufsteigen; wir müssen gewillt sein, täglich unser Kreuz auf uns zu nehmen und dem Christ-Selbst in uns zu folgen. Nur auf diese Weise können wir Erlösung erlangen.
Das ist keine neue Erkenntnis. Das Leben lehrt diese Lektion. Die Geburt selbst ist beunruhigend und schmerzhaft, und doch kommt durch sie die große Freude des Leben. So ist es mit allem im Leben. Der Schmerz ist Teil des Vergnügens, die Trauer Teil der Freude. Der Tod ist ein Teil des Lebens. Man kann das Eine nicht ohne das Andere haben. Alles ist miteinander verbunden und voneinander abhängig; das ist das Wesen der Dinge, die immer-werden. Du mußt lernen, das ganze Leben und dein ganzes Selbst zu akzeptieren und zu umschließen, wenn du den Geist der Wahrheit entdecken möchtest. Das Licht und die Dunkelheit müssen verbunden werden, und du mußt die heilige Einheit erkennen.
Nun sage ich dir, wenn du suchst, wird das, was du findest, beunruhigend sein, den du wirst entdecken, dass all die Gewohnheiten der Sterblichen und ihr Prunk eitel und zwecklos sind, bloße Eitelkeit unter der Sonne. Nahezu alles, was die unerleuchtete (unaufgeklärte) Gesellschaft innig schätzt, ist letzten Endes bedeutungslos, und was wir selbst schätzen und für sehr wichtig halten, ist ganz und gar nicht wichtig. Es ist alles beliebig. Alles ist Staub im Wind mit dem Vergehen der Zeit. Was wird all das in der Stunde der Abrechnung, im Moment des Todes bedeuten? Die Welt wird nichts sein und du wirst nichts sein. Was wird sein, wenn du das Christ-Selbst in dieser Stunde nicht als dein innerstes Selbst kennst? Was wird aus dir werden?
Ich sage dir rundheraus, die äußere Person, die ich bin, ist nichts. Dieser Name und diese Gestalt sind ein vorübergehender Zustand, der von sich aus gar nichts bedeutet. Wenn ich nicht die innere Person, das Seelen-Wesen und Christ-Selbst in mir kenne, ist die äußere Person nur Eitelkeit unter der Sonne. Zu lieben, Wissen zu sammeln und die Menschheit zu Gott zu erheben ist der Zweck und die Bedeutung des Lebens. Der Name und die Gestalt haben in dem Maße Bedeutung, in dem sie das messianische Bewußtsein verkörpern. Die Seele kommt ins Leben, damit das Wesen, das in dir ist und sich entwickeln kann, Gestalt annimmt und sich in der kommenden Welt manifestieren kann. Wenn du etwas von dieser großen Aufgabe erreichst, wird alles was du im Leben tust mit Bedeutung erfüllt sein. Wenn du aber viele Dinge erreichst und für groß gehalten wirst im Urteil der Sterblichen, aber du erreichst nichts von der großen Aufgabe, ist alles was du tust bedeutungslos, reine Eitelkeit. Das ist eine einfache Wahrheit.
„Bittet und ihr werdet bekommen! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch geöffnet! Denn wer bittet, der bekommt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet“ ( Matthäus 7:7-8 )
Zu bitten ist zu erhalten, zu suchen ist zu finden, anzukopfen ist das Öffnen der Tür, so dass du eintreten kannst. Es bist nicht du, der bittet oder sucht oder anklopft, sonder der Christ-Geist in dir, und es ist die Gnade, die antwortet, die Gnade, die findet, der heilige Geist, der anklopft und eintritt und alles vollbringt. Deshalb ist das Versprechen sicher – derjenige, der mit dem überirdischen Licht gesalbt ist, erreicht die Herrschaft über das Universum. Von mir selbst aus kann ich nichts erreichen; Christus in mir vollbringt alles. Das ist eine erstaunliche Entdeckung und sie kommt mit heiliger Ehrfurcht und mit heiliger Verwunderung!
Gebt Acht, ich stehe vor der Tür und klopfe an! Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, werde ich bei ihm einkehren. Ich werde mit ihm das Mahl halten und er mit mir. Alle, die durchhalten und den Sieg erringen, erhalten von mir das Recht, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, so wie ich selbst den Sieg errungen habe und nun mit meinem Vater auf seinem Thron sitze. (Offenbarung 3:20-21).
(Übersetzt aus: Tau Malachi: The Gnostic Gospel of St. Thomas : meditations on the mystical teachings. – Saint Paul, MN : Llewellyn, 2004, S. 4-7)
„Ich bin der HERR, dein Gott! Ich habe dich aus Ägypten herausgeführt, ich habe dich aus der Sklaverei befreit. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ (Exodus 20:2-3)
In diesem Vers wird für Gott der Name „Anoki“, „Ich bin“ verwendet und er spielt auf den wichtigsten Namen Gottes an, der zu Moses gesprochen wird, als er den brennenden Busch sieht „Ehje Asher Ehje“, was übersetzt werden kann als „Ich bin der ich bin“ oder „Ich bin was ich bin“ oder „Ich werde sein was ich sein werde“. Auch der Kabbala zufolge ist „Ehje“, was ebenso „Ich bin“ bedeutet, der wichtigste Name Gottes. Gleichzeitig ist Anoki verwandt mit dem Namen „Henoch“, den man als „der Eingeweihte“ übersetzen kann. Der Schöpfungsgeschichte zufolge starb Henoch nicht, sondern stieg spirituell auf so wie Jesus nach ihm. Anoki weist damit auf die heilige Einheit von Geschöpf und Schöpfung und darüber hinaus, letztendlich auf die Wahrheit unseres innersten Wesens als Anwesenheit eines göttlichen Lichts, das der innerste Kern in jedem von uns ist.
Ehje bedeutet also „Ich bin“ oder „Ich werde sein“. In Wahrheit verwenden wir diesen machtvollen göttlichen Namen ständig, obwohl wir das typischerweise unbewußt tun. Gnostischen Lehren zufolge stützen wir uns auf diesen Namen, der die eine Lebenskraft in uns und in allem um uns herum repräsentiert, jedesmal wenn wir sagen „Ich bin dies“ oder „Ich bin das“ oder wir zu jemandem sagen „Du bist dies“ oder „Du bist jenes“. Deshalb ist es sehr bedeutsam zu erkennen, wie wichtig es ist, diesen Namen Gottes bewußt und mit Vorsicht zu verwenden. Jedesmal, wenn wir ihn denken oder sprechen, kommen wir in Kontakt mit dem tieferen Teil von uns selbst, aus dem wir uns selbst und unser Leben kundtun. Wann immer wir ihn in einem negativen Kontext gegenüber uns selbst und anderen verwenden, handeln wir in Grunde zerstörerisch und untergraben unsere Selbsterkenntnis, unseren Wohlstand, Erfolg, unsere Gesundheit und unser Glück. Deshalb ist es in der Sophia-Gnostik wichtig, danach zu streben, diesen machtvollen Namen Gottes immer in einem völlig positiven Zusammenhang zu verwenden. Hierbei handelt es sich um eine Übung spiritueller Selbstbestätigung, die darauf beruht in sich zu gehen, von innen heraus zu leben und sich in der Meditation „Stiller Beobachter“ zu üben.
Der tiefere Teil von uns befindet sich außerhalb von Raum und Zeit, vom linearen Fluß zeitlicher Ereignisse an der Oberfläche. Deshalb müssen wir, wenn wir eine Bestätigung formulieren an den tieferen Teil in uns, dieses im Präsenz tun und nicht in der Vergangenheits- oder Zukunftsform. Dafür wird der Ausdruck „Ich bin“ und nicht „Ich werde“ verwendet, um eine unmittelbare Reaktion vom tieferen Teil in uns zu erreichen.
In diesem Prozeß kann man keine unmittelbare Veränderung erzwingen. Veränderung erfolgt nicht durch Forderung, sondern durch sanfte und beständige Anregung, wie Wasser, das den Stein höhlt. Zuerst richtet man seinen Geist auf eine Bestätigung und fasst sie dann in Worte, wiederholt sie typischer Weise einige Male – sieben Mal oder öfter. Man tut das so oft wie möglich im Laufe des Tages. Dabei läßt man Negativität, die auftauchen kann, einfach kommen und gehen, ohne sie festzuhalten oder zu verdrängen, oder man gleicht die Negativität mit einer Bestätigung aus.
Zusätzlich zum Sprechen kann man die Bestätigung auch aufschreiben und an einen gut sichtbaren Ort legen, so das man den Tag hindurch daran erinnert wird.
Bestätigungen können entwickelt werden für alltägliche und spirituelle Zwecke. Ja mit ihnen kann man in jedem Lebensbereich Dinge manifestieren. Hier können einige Beispiele gegeben werden, aber letztlich sind Bestätigungen, die man selbst geschaffen hat, in seiner eigenen Art zu sprechen, kraftvoller als solche, die jemand anderes entwickelt hat. Davon gibt es nur wenige Ausnahmen:
Hier einige Beispiele:
Beispiel aus der Bibel:
Paulus: Epheserbriefe 6:10-18
Diese Beispiele kann man endlos fortsetzen. Zusammen mit spirituellen Bestätigungen versuchen Eingeweihte, positive Gedanken, Gefühle, Worte und Taten im täglichen Leben zu pflegen, mithin sie arbeiten an einem bestätigenden Lebensstil. Wenn man die Kunst der Bestätigung in einer völlig positiven und erhebenden Weise für sich selbst und andere verwendet, wird man mehr Segen als den erbetenen in seinem Leben erfahren. Man wird einen zunehmenden Fluß göttlicher Unterstützung und Gnade erfahren.
(Übersetzt u. zusammengefasst aus: Tau Malachi: Living Gnosis. – Woodbury, MN : Llewellyn, S. 122-124 u. 187-189)