Archiv für August, 2008

Partzuf-Meditationen

Partzuf-Meditationen kann man sehr gut mit dem Guruyoga im tibetischen Buddhismus vergleichen. Dabei verbindet der Übende sich mit der innersten Essenz des Heiligen in der Meditation. Dieser Heilige spiegelt und stärkt somit die in jedem Menschen vorhandene göttliche Kraft. Er verkörpert sie in ganzer Klarheit. Parzuf-Meditationen haben eine große Energie, die eigene Negativität aufzulösen. Sie können über lange Zeit eine Grundlage für die spirituelle Entwicklung sein. Man kann sie mit jedem Heiligen jeder Art mystischer Tradition ausführen. Wichtig ist die eigene Resonanz, die man mit der jeweiligen Figur empfindet.

Für mich entsteht diese Resonanz vor allem bei Partzuf-Meditationen mit dem Lebendigen Yeshua (Jesus), Maria Magdalena (der Heiligen Braut) und der Lichtfrau (der Heiligen Mutter).

Der Lebendige Yeshua ist nicht der Jesus, den man aus der äußeren Kirche kennt. Wie auch im Evangelium des Thomas, bezieht sich die Bezeichnung „Der lebendige Yeshua“ auf den auferstandenen Jesus, der seinen Schülern in Visionen und Träumen erscheint und Lehren vermittelt, die über die äußere biblische Tradition hinausgehen. Solche Lehren findet man in den gnostischen Evangelien, die nicht in der Bibel enthalten sind, aber auch in einigen Teilen der Bibel, so z.B. in der Offenbarung des Johannes. Ihr Ziel ist die direkte spirituelle Erfahrung und Erkenntnis, das Erkennen des innersten Selbst. Wenn man es erkennt, so erfährt man, dass das innerste Selbst kein Selbst ist. Einer der besten Wege dorthin, zur Gnosis, sind für mich die Partzufmeditationen.

Meditation mit der Lichtfrau

Meditation mit Maria Magdalena

Meditation mit dem Lebendigen Yeshua (englisch)

Weitere Partzuf-Meditationen (englisch)

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Eine Kabbala des Gnostischen Christentums

Kabbalistic Tree of Life

Kabbalistic Tree of Life

Zweck und Wesen der Kabbala

Die Kabbala ist ein aus sehr früher Zeit stammendes System des Jüdischen Mystizismus, das seine Wurzeln in der Versammlung der Propheten im alten Israel und im Merkava-Mystizismus Palestinas zur Zeit Yeshuas (Jesus) hat. In Anbetracht dessen, dass Yeshua und seine Schüler jüdischer Herkunft waren, und wenn man ihn als einen Mystiker und Propheten seiner Zeit versteht, ist es einleuchtend anzunehmen, dass er eine Form der mystischen Tradition lehrte, die wir heute als Kabbala kennen.

Aus diesem Grunde sind viele mystische und gnostische Strömungen des Christentums entstanden, die die Kabbala zur Grundlage haben. Das trifft natürlich auch auf die Sophia-Gnostik zu. Sie ist so eng mit der Kabbala verwoben, dass es nicht möglich ist, Gnostik und Kabbala in unserer Tradition zu trennen. Eigentlich könnte man die Tradition der Sophia-Gnostik eine Christliche Kabbala nennen, oder eine Form des gnostischen Christentums, das sich sehr stark auf seine jüdischen Wurzeln bezieht. Um das gnostische Christentum zu erkunden, wie es sich in der Sophia-Gnostik ausdrückt, müssen wir deshalb einige der grundlegenden Ideen der Kabbala erforschen. Davon leiten sich die Lehren und Prinzipien unseres gnostischen Christentums ab.

Die Hauptlehren der Kabbala wurden entwickelt, um einige grundsätzliche Fragen zu erkunden und zu beantworten:

- das Wesen und die Merkmale Gottes und des Gottkopfes

- die Entwicklung einer Kosmologie

- das Geheimnis der Schöpfung der Engel und der Menschheit

- das Schicksal der Menschheit und der Engel

- das Wesen der menschlichen Seele und ihre Verbindung mit dem Göttlichen

- das Wesen der kosmischen Kräfte – Engel, Dämonen, Naturgewalten u.s.w.

- die innere Bedeutung des offenbarten Gesetzes und des Heiligen Evangeliums

- die transzendentale Symbolik der Zahlen und geometrischen Formen

- das Geheimnis der hebräischen Buchstaben

- die Balance im Spiel der kosmischen Kräfte

- das Geheimnis göttlicher Offenbarungen und prophetischer Bewußseinszustände

- das Geheimnis der göttlichen Inkarnation und der göttliche Plan auf der Erde

Angesichts der unermesslichen Höhe, Tiefe und Breite dieser metaphysischen Fragen, kann man die enorme Anzahl esoterischer Lehren, Übungen und Literatur, die um die Kabbala im Laufe der Jahrtausende entstanden sind, nur erahnen. Obwohl es viele moderne Wahrheitssucher gibt, die einige Bücher zur Kabbala gelesen haben und fälschlicher Weise annehmen, die Kabbala zu kennen, würde selbst ein Meister der Tradition nicht behaupten, die Kabbala zu kennen. Nicht einmal, wenn er oder sie das ganze Leben lang die Kabbala studiert und nach ihren Prinzipien geübt hat, und er oder sie etwas von der Erleuchtungserfahrung, die sie repräsentiert, aktiv verkörpert. Man könnte sagen, dass Gott die Kabbala kennt, und dass wir, für unseren Teil, das Kennen, was wir durch unsere eigene Erfahrung empfangen haben – was weit davon entfernt ist, die Kabbala so zu kennen, wie Gott sie kennt.

Im wesentlichen repräsentieren die Lehren der Kabbala das zusammengetragene Wissen der Eingeweihten, ihr Verständnis und ihre Weisheit. Sie repräsentieren es so, wie es durch ihre direkte spirituelle Erfahrung der metaphysischen Dimension der Geschöpfe, der Schöpfung und Gottes offenbart wurde. Die Kabbala selbst ist das Wissen, Verständnis und die Weisheit vom wahren Wesen der Geschöpfe, der Schöpfung und Gottes und ist vollständig nur Gott bekannt. Wenn die gesamte Kabbala in einem Buch enthalten ist, so ist es das himmlische Buch des Lebens, von dem die Heiligen Schriften sprechen, nicht ein irdisches Buch.

Die Lehren der Kabbala gründen sich auf die Bibel und auf Heilige Schriften, die nicht ihren Weg in die kanonisierte Bibel fanden. Um die Kabbala zu studieren und in ihrem richtigen Kontext zu verstehen, ist es deshalb notwendig, die Heiligen Schriften ebenfalls zu studieren und zu verstehen. So, wie viele annehmen, die Kabbala zu verstehen, weil sie einige Bücher darüber gelesen haben, nehmen auch viele an, sachkundig in der Kabbala zu sein, ohne die Heiligen Schriften gut zu kennen. Letztlich kann man aber die Kabbala nicht verstehen, ohne auch die Heiligen Schriften zu studieren und ein gewisses Verständnis davon zu erlangen. Mit dem Studium und der Ausübung der Kabbala zu beginnen bedeutet, sich auf eine mystische Reise einzulassen zu den versteckten Ebenen der Heiligen Schriften und auf die geheime Weisheit, die sie enthalten. Letztlich sind die Heiligen Schriften und die Kabbala eins.

[Übersetzt aus: Tau Malachi: Gnosis of the Cosmic Christ : a Gnostic Christian Kabbalah. - Saint Paul, MN : Llewellyn, 2005, S. 1-3]

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Das Fest der Apostolischen Folge in der Sophia-Gnostik

„Der Wind weht, wo es ihm gefällt. Du hörst ihn nur rauschen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So geheimnisvoll ist es auch, wenn ein Mensch vom Geist geboren wird“ [Johannes 3:8]

Das Fest der Apostolischen Folge am 2. August folgt dem Sommersonnenwendefest, bei dem die Ausgießung des Heiligen Geistes und die Himmelfahrt im Mittelpunkt standen. Mit ihm feiern wir die Weitergabe der feurigen Intelligenz (des Heiligen Geistes) in allen Weisheitstraditionen. Dabei ist diese Folge der Lichtübertragung nicht so sehr ein historisches Ereignis, dass nur die ursprünglichen Apostel Christi betrifft, sondern es ist eine lebendige Tradition, die sich bis heute fortsetzt. Denn es sind nicht Menschen, die die Einweihung und Priesterweihe vollziehen, sondern der Heilige Geist selbst, so wie es in den biblischen Apostelgeschichten bei der Bekehrung des Saul von Tarsus zum Apostel Paulus beschrieben wird. Er kannte Yeshua (Jesus) nicht einmal persönlich, als er lebte und war nie sein Schüler. Obwohl er sogar ein Feind der christlichen Bewegung war, wurde er durch eine direkte Offenbarung vom Heiligen Geist (Schechinah) ausgewählt. „Der Wind weht, wo es ihm gefällt. Du hörst ihn nur rauschen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So geheimnisvoll ist es auch, wenn ein Mensch vom Geist geboren wird“ [Johannes 3:8] Die heilige Schechinah wählt ihre Apostel selbst aus und kümmert sich dabei nicht um gesellschaftliche Hierarchien. Diese Form der Weihe durch ein Erleuchtungserlebnis sehen wir in vielen Weisheitstraditionen. Darin liegt der Unterschied zu den äußeren, offiziellen kirchlichen Traditionen. Wir sehen dieses Erleuchtungserlebnis auch bei Maria Magdalena, der Apostelin der Apostel. In den gnostischen Schriften erfahren wir, dass auch sie als spirituelle Lehrerin, Heilerin und Friedensstifterin tätig war.

Die Apostelgeschichten offenbaren uns mehr über eine wirkliche Apostolische Folge. Sie besteht nicht im Kennen von Glaubensbekenntnissen und religiösen Doktrinen, von Riten und Ritualen, die von Menschen begründet wurden. Sie gründet sich vielmehr auf die direkte spirituelle und mystische Erfahrung und deren Verkörperung auf dem eigenen Lebensweg. So schreibt Tau Malachi: „Bei wahren Aposteln finden wir das Zeugnis des Heiligen Geistes (der Schechinah) – ihre Kraft und Erleuchtung und die sehr deutliche Fähigkeit, die Erfahrung dieser lebendigen Präsenz und Kraft anderen zu vermitteln. Es ist dieses Kontinuum der Lichtübertragung und der Zeugenschaft des Heiligen Geistes, an das wir uns mit dem Fest der Apostolischen Folge erinnern und das wir feiern…“ [übersetzt und zusammengefasst aus: Tau Malachi: The Feast of the Apostolic Succession 2008]

Mögen alle, die danach verlangen, vom Heiligen Geist, der Heiligen Schechinah, erleuchtet werden!

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