Archiv für Oktober, 2008

Das Fest des Heiligen Lazarus

(Das Fest der gesegneten Toten)

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden (Matthäus 5:4)

Juan de Flandes - Die Auferweckung des Lazarus

Juan de Flandes - Die Auferweckung des Lazarus

Das Fest des Heiligen Lazarus wird am 1. November gefeiert, zwischen dem Fest der Apokalypse und dem Fest der Mutter und des Kindes. Sein gebräuchlicherer Name ist „Das Fest der gesegneten Toten“, denn er legt den Sinn nahe: spirituelle Unterstützung für die Sterbenden und Toten und das Ehren unserer Vorfahren.

Im Buch „Gnosis of the Cosmic Christ“ von Tau Malachi, im Kapitel, das sich mit der Sefirah Yesod beschäftigt, werden die Stationen des Sterbens, des Todes und des Jenseits diskutiert. Weitere Artikel, Meditationen und spirituelle Übungen finden sich im Forum der Sophia Fellowship, im Orden des Heiligen Lazarus. Sehr zu empfehlen zu diesem Thema ist auch ein Buch aus der buddhistische Tradition: „Das tibetische Buch vom Leben und Sterben“ von Sogyal Rinpoche.

Einerseits versuchen wir bei diesem heiligen Fest, klar die Unbeständigkeit dieses Lebens und der Gesamtheit zu sehen; wir versuchen sie zu akzeptieren und anzunehmen. Gleichermaßen versuchen wir den Schmerz und das Leiden, das dieses Leben und die Gesamtheit durchdringt, zu sehen und zu begreifen. Wir erinnern uns an das Ende von Schmerz und Leiden durch die Befreiung und Erleuchtung unserer Seele – unsere Motivation auf dem spirituellen Weg. Ebenso versuchen wir das Heilige Herz hervorzubringen, das Verlangen nach aktiver Liebe, Mitgefühl und spritueller Unterstützung.

Durch unserer spirituellen Arbeit für die Sterbenden und Toten werden wir vielleicht lernen, unsere eigene Unbeständigkeit anzunehmen – wenn wir das tun, wird es eine Bekräftigung unser eigenes Leben bewußt zu leben. Vielleicht werden wir auch begreifen, dass das, was wir „Tod“ nennen, eine illusionäre Qualität hat, dass es ein Übergang im Kontinuums des Lebens oder des Bewußtseins ist. Es ist eine Zeit des Wandels und großer Möglichkeiten, wenn unser Seelenstrom von einer Form der Existenz in eine andere übergeht, von einem Leben in ein anderes – vielleicht ruft es in uns eine Erinnerung an unsere ungeborene Natur, das ewige Leben unseres Göttlichen „Ich bin“ wach.

[Auszug übersetzt aus: Tau Malachi: Holy Feast of St. Lazarus]

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Unsere spirituelle Grundlage

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. Dann wirst du lange in dem Land leben, das dir der Herr, dein Gott, gibt. (Exodus 20:12)

Für diejenigen, die eine positive Erziehung und Familienumgebung erlebt haben, stellt dieses Gebot kein Problem dar und ist eine offensichtliche Wahrheit. Für jemanden, der aus einer extrem dysfunktionalen Familie kommt und schweren Misbrauch erfahren hat, kann die Vorstellung, Vater und Mutter zu ehren, tief beunruhigend und sehr schwierig sein. In alten Zeiten jedoch, als die Thora geschrieben wurde, verurteilten erwachsene Kinder, die sich nicht um ihre alternden Eltern kümmerten, diese im Prinzip zu großem Leiden und zum Tode – was schwerer wog als jede Dysfunktion rechtfertigte. So ist das Ehren von Vater und Mutter auf der grundlegendsten und praktischsten Ebene ein Aspekt des Mitgefühls.

In und hinter diesem Gebot sind subtilere und sublime Wahrheiten den Lehren der Sophia-Gnostik zufolge. Zuallererst ist da die Idee des karmischen Kontinuums, das sich mit einer Seele transportiert und das die Ereignisse, die sich in unserem Leben entfalten, stark beeinflusst. Es reflektiert sich in den Umständen, Situationen und Ereignissen unseres Lebens. So spiegeln die Familie und Umgebung, in die wir geboren werden, unser karmisches Kontinuum wider, der Ort und die Zeit, wie wir erzogen werden und welche Bildung wir erhalten. Diese Feststellung soll nicht nahelegen, dass wir für das Verhalten der Anderen verantwortlich sind. Es bedeutet eher, dass wir auf eine Weise, auf einer Ebene verbunden sind mit den Umständen, Situationen und Ereignissen, die in unserem Leben entstehen. Karma ist im Grunde ein Gesetz von Ursache und Wirkung. Es kann jedoch auch Dinge in uns selbst repräsentieren, die wir durcharbeiten oder heilen müssen. Im Allgemeinen offenbaren sich diese Dinge durch das, was in unserem Leben geschieht. Auf einer bestimmten Ebene ermutigt uns dieses Gebot hinzusehen und zu erkennen, was wir durcharbeiten und heilen müssen, um uns von unserer karmischen Konditionierung zu befreien.

In unserer modernen Zeit ist es häufig üblich, Missbrauch in unserer Vergangenheit als Entschuldigung für unser Verhalten in der Gegenwart zu verwenden. Und tatsächlich können uns Echos aus der Vergangenheit in der Gegenwart beeinflussen. Wenn wir damit aber unser jetziges Verhalten rechtfertigen und entschuldigen, schließen wir uns in ein Muster aus Schmerz und Leid ein, aus dem wir nicht entkommen können. Das ist einfach ungesund. Irgendwann müssen wir die Vergangenheit loslassen, damit die Möglichkeit der Heilung entstehen kann. Und wir müssen Verantwortung für unser eigenes Leben und Handeln übernehmen. Das trifft besonders zu, wenn wir einen tatsächlichen Fortschritt in der Selbst-Erkenntnis im sprituellen Leben suchen. In den meisten Fällen ist es glücklicherweise unwahrscheinlich, dass der Missbrauch, der uns als Kindern zugefügt wurde, uns auch als Erwachenen zugefügt werden kann. Irgendwann muss um unseretwillen und anderer Menschen Willen die Vergebung ins Spiel kommen.

Zutreffender ist vielleicht das: Eltern und Familie sind symbolisch für uns. Wenn wir kein Verhältnis zu unseren Eltern finden, unserer Familie und unserer Kindheit, ist es schwer, uns selbst zu akzeptieren. Uns selbst zu akzeptieren ist Teil der Selbsterkenntnis, Teil der spirituellen Reise: das Licht und die Dunkelheit in uns, was wir an uns für „gut“ und „schlecht“ halten. In Wahrheit sind wir der Weg, das sprituelle Fahrzeug und die Licht-Präsenz.

Im Thomasevangelium sagt Yeshua etwas äußerst Interessantes, das auch sein Echo in anderen Evangelien findet. Er sagt: „Wer nicht seinen Vater und seine Mutter hasst, wird nicht mein Jünger werden können. Und wer seinen Vater und seine Mutter nicht liebt wie ich, wird nicht mein Jünger werden. Denn meine Mutter gebar mich, aber meine Wahre Mutter gab mir das Leben.“ (Vers 101) Essenziell sind Vater, Mutter und Familie Erweiterungen des egoistischen Selbst, der persönlichen Geschichte; sie sind Konzepte in unserem Geist. Wenn Yeshua davon redet, Vater und Mutter zu „hassen“, gibt er uns zu verstehen, dass wir durch die Ego-Illusion und durch alles sie Unterstützende hindurchblicken sollen. Das schließt das Erkennen der illusionären Qualität unserer Konzepte von anderen Menschen ein. Wenn er davon spricht, Vater und Mutter zu „lieben“, gibt er uns zu verstehen, dass wir die Seele und LIcht(Christ)-Präsenz in Menschen in unserem Leben sehen sollen. Wir sollen versuchen, die Licht-Präsenz in uns selbst und in anderen hervorzubringen und zu ehren. Wenn wir in der Lage sind, dies mit den Menschen zu tun, die so eng mit unserer persönlichen Geschichte verbunden sind, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass wir es auch mit anderen Menschen in unserem Leben erfolgreich tun können. Das befähigt uns wiederum zur Erkenntnis der Licht-Präsenz in uns selbst.

Der Gedanke unserer Wahren Mutter, der Göttlichen Mutter und des Heiligen Geistes, erweist sich ebenfalls als Schlüssel zur Heilung derjenigen, die eine schwierige Famliliensituation erlebt haben. Er gibt uns eine spirituelle Interpretation des Gebots: unsere Göttlichen Eltern oder die Eine Lebenskraft in und hinter dem Bild von unseren persönlichen Eltern zu ehren. Denn die Eine Lebenskraft und das Universum sind unsere Heilige Mutter und unser Vater in einem sehr wirklichen Sinne. In den Lehren der Sophia-Gnostik wird dieser Gedanke auch auf unsere spirituellen Lehrer und Mentoren ausgedehnt, die wir respektieren. Sie dienen als Hebammen für die Lichtseele in uns.

Das Gebot weist auch auf eine einfache Methode hin, um das Heilige Herz des Mitgefühls hervorzubringen. Sie wird oft von Eingeweihten der Sophia-Gnostik verwendet und ist besonders kraftvoll, wenn wir positive Erfahrungen mit unserem Vater, unserer Mutter und Familie haben. Die Wanderung der Seele durch unzählige Leben ist eine allgemein bekannte Lehre in der christlichen Gnostik. So waren alle Wesen Mutter, Vater und Familie für uns. Diese Idee zu kontemplieren und darüber zu meditieren, kann uns helfen, Liebe und Mitgefühl für alle zu entwickeln. Das Ehren von Mutter und Vater wird auf alle Wesen ausgedehnt. Es widerspiegelt unser Bewußtsein der Heiligen Einheit, in der wir mit allen Lebewesen verbunden und verwandt sind.

Wenn wir dieses Gebot auf einfache Weise ausdrücken sollten, könnte man es so sagen: Ehre die spirituelle Grundlage deines Lebens.

[Übersetzt aus: Tau Malachi: Living Gnosis. - Woodbury, MN : Llewellyn, 2005, S. 130-133]

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Buchtipp zum Thema Rosenkreuzer, Gnosis, Kabbala

Allen, die sich für Gnosis, Kabbala und die Rosenkreuzerbewegung interessieren, kann dieser Titel in zwei Bänden wärmstens empfohlen werden:

Paul Foster Case: Der Wahre und Unsichtbare Orden vom Rosenkreuz. -  In 2 Bänden (Deutsche Ausgabe des amerikanischen Originals)

Band 1: Die Rosenkreuzer-Allegorie. -  Verlag: Pomaska-Brand, 2002. -  212 S.

Der Verlag über das Buch
Die berühmten Rosenkreuzer-Manifeste „Fama Fraternitatis“ und „Confessio Fraternitatis“, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts von den fortschrittlichen Kräften ihrer Zeit enthusiastisch begrüßt wurden, markieren einen wichtigen Punkt in der europäischen Geschichte. Die Bedeutung dieser Schriften, die weit über die historisch nachweisbaren Wirkungen hinausgeht, kann sich dem aufnahmebereiten Leser und der geneigten Leserin jedoch erst durch intensive Beschäftigung mit dem Text erschließen. Dr. Paul Foster Case hat sich in einem lebenslangen Erkenntnis- und Erfahrungsprozess dem Geheimnis des Rosenkreuzertums angenähert und legt mit dem vorliegenden Werk, das erstmals in deutscher Sprache publiziert wird, einen zuverlässigen und authentischen Einblick in das rosenkreuzerische Weltbild vor. Dabei wird deutlich, dass der Orden vom Rosenkreuz weniger eine konkrete bestehende Organisation ist (obwohl auch solche mit voller Berechtigung existieren), als vielmehr eine raum- und zeitübergreifende Gemeinschaft von Menschen, die auf der Grundlage von universellen Symbolen eine unauflösliche Kette bilden, kommend aus dem Dunkel einer ferner Vergangenheit und endend im hellen Licht einer unendlichen Zukunft…

Die Rosenkreuzer-Allegorie

Paul Foster Case: Die Rosenkreuzer-Allegorie

Band 2: Die zehn Rosenkreuzer-Grade. – Verlag: Pomaska-Brand, 2003. – 206 S.

Der Verlag über das Buch
Dr. Paul Foster Case stellt in diesem Buch den Initiationsweg der Rosenkreuzer dar. Richtig verstandenes Rosenkreuzertum ist nicht an irdische Organisationen gebunden, sondern beruht auf einer bestimmten Art von persönlicher Entwicklung, die hier sehr sorgfältig und klar dargestellt wird. Das vorliegende Werk besteht aus zwei Teilen. Im ersten Band untersucht der Autor die Rosenkreuzer-Manifeste „Fama Fraternitatis“ und „Confessio Fraternitatis“ und schließt daran eine tiefgründige und kenntnisreiche Interpretation dieser wichtigen Schriften an. Der zweite Band beschreibt die 10 Rosenkreuzer-Grade und ihre Entsprechung zum Kabbalistischen Lebensbaum und zum Tarot. Wer diesem System folgt, begibt sich auf den „Pfad“ und bereitet sich auf die Vereinigung mit dem Höheren Selbst vor. Dies kann – muss aber nicht – mit der Arbeit in einem Orden oder einer anderen Gemeinschaft verbunden sein. „The True and Invisible Rosicrucian Order“ wurde erstmals 1927 veröffentlicht. In den nächsten Jahrzehnten hat Paul Foster Case seine weiteren initiatorischen Erfahrungen und Erkenntnisse in den Text einfließen lassen und 1953, kurz vor seinem Tod, nochmals eine Überarbeitung des Werkes vorgenommen. Diese reifeste Fassung wurde 1985 von Samuel Weiser (USA) gedruckt und bildet die Grundlage für die hier vorliegende Übertragung ins Deutsche.

Die zehn Rosenkreuzer-Grade

Paul Foster Case: Die zehn Rosenkreuzer-Grade

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Ein Spaziergang der Kraft – die Erd-Mutter kennenlernen

Wenn ein Schamane einen Spaziergang der Kraft unternimmt, wird dieser zu einer bewegten Zeremonie. Anstatt einer Zeremonie an einer Ort der Kraft oder im Heiligen Kreis, geht er auf einer Linie der Kraft in der Landschaft und ruft dabei den Heiligen Einen und die Kräfte herbei. Er ruft Geister an während er läuft und sammelt und erwirbt Kräfte und führt spirituelle Werke für die Menschen aus. Wenn wir hinausgehen und in heiliger Weise laufen, in voller Aufmerksamkeit, können wir etwas Ähnliches tun.

Gehe hinaus in die Natur und unternimm einen Spaziergang. Während du läufst, rufe die Göttliche Mutter und die Kräfte an, und gehe in der Gesellschaft der Heiligen Schekina, der Mutter und Kräfte. Während du läufst, sein dir bewusst, dass du mit und in der Heiligen Mutter dein Sein hast, das du in der Gesellschaft der Braut bist. Sei dir bewusst, dass in Allem Geister und Kraft sind, das Alles aus Energie-Intelligenz besteht, dass Alles eine Erscheinungsform der Präsenz und Kraft des großen Geistes (Gottes) ist.

Während du unter und in dem Himmels-Vater und der Erd-Mutter gehst, dem Heiligen Einen, versuche die Geister und Kräfte um dich herum zu schauen und zu sehen, zu hören und zu verstehen. Mache dich mit ihnen vertraut und spreche mit ihnen, spreche mit der Heiligen Mutter und Braut in all ihren Erscheinungsformen.

Auf diese Art, versuche die Große Mutter zu verstehen und kennenzulernen, und begib dich in ihre Umarmung. Gehe mit Gott wie Henoch, der Eingeweihte, mit Gott ging und lasse dich vom Heiligen Geist, dem Muttergeist, erfüllen.

Wenn du wie ein Kind gehst, mit Augen voller Ehrfurcht und Wunder, offen und empfindsam für die Geister und Kräfte, werden sie zu dir sprechen und ihre Kraft mit dir teilen. Wann immer du Kraft benötigst und von den Geistern erhältst, denke daran, eine Gegengabe zu geben. Nimm die Kraft nur, wenn der Geist sie dir geben möchte, mit anderen Worten, gehe in einer heiligen Art und Weise, gehe in Schönheit und Heiligkeit.

Wenn du gehst, ist es gut, eine Tasche mit Gaben (Salbei, Tabak u. Ä.) und eine heiligen Wanderstab mitzunehmen. Wenn du Kraft oder heilige Objekte sammelst, nimm eine heilige Tasche zur Aufbewahrung mit.

(Übersetzt aus: Tau Malachi: A Walk of Power)

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