Der Name Gottes und Selbstbestätigung (Affirmation)

„Ich bin der HERR, dein Gott! Ich habe dich aus Ägypten herausgeführt, ich habe dich aus der Sklaverei befreit. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ (Exodus 20:2-3)

In diesem Vers wird für Gott der Name „Anoki“, „Ich bin“ verwendet und er spielt auf den wichtigsten Namen Gottes an, der zu Moses gesprochen wird, als er den brennenden Busch sieht „Ehje Asher Ehje“, was übersetzt werden kann als „Ich bin der ich bin“ oder „Ich bin was ich bin“ oder „Ich werde sein was ich sein werde“. Auch der Kabbala zufolge ist „Ehje“, was ebenso „Ich bin“ bedeutet, der wichtigste Name Gottes. Gleichzeitig ist Anoki verwandt mit dem Namen „Henoch“, den man als „der Eingeweihte“ übersetzen kann. Der Schöpfungsgeschichte zufolge starb Henoch nicht, sondern stieg spirituell auf so wie Jesus nach ihm. Anoki weist damit auf die heilige Einheit von Geschöpf und Schöpfung und darüber hinaus, letztendlich auf die Wahrheit unseres innersten Wesens als Anwesenheit eines göttlichen Lichts, das der innerste Kern in jedem von uns ist.

Ehje bedeutet also „Ich bin“ oder „Ich werde sein“. In Wahrheit verwenden wir diesen machtvollen göttlichen Namen ständig, obwohl wir das typischerweise unbewußt tun. Gnostischen Lehren zufolge stützen wir uns auf diesen Namen, der die eine Lebenskraft in uns und in allem um uns herum repräsentiert, jedesmal wenn wir sagen „Ich bin dies“ oder „Ich bin das“ oder wir zu jemandem sagen „Du bist dies“ oder „Du bist jenes“. Deshalb ist es sehr bedeutsam zu erkennen, wie wichtig es ist, diesen Namen Gottes bewußt und mit Vorsicht zu verwenden. Jedesmal, wenn wir ihn denken oder sprechen, kommen wir in Kontakt mit dem tieferen Teil von uns selbst, aus dem wir uns selbst und unser Leben kundtun. Wann immer wir ihn in einem negativen Kontext gegenüber uns selbst und anderen verwenden, handeln wir in Grunde zerstörerisch und untergraben unsere Selbsterkenntnis, unseren Wohlstand, Erfolg, unsere Gesundheit und unser Glück. Deshalb ist es in der Sophia-Gnostik wichtig, danach zu streben, diesen machtvollen Namen Gottes immer in einem völlig positiven Zusammenhang zu verwenden. Hierbei handelt es sich um eine Übung spiritueller Selbstbestätigung, die darauf beruht in sich zu gehen, von innen heraus zu leben und sich in der Meditation „Stiller Beobachter“ zu üben.

Der tiefere Teil von uns befindet sich außerhalb von Raum und Zeit, vom linearen Fluß zeitlicher Ereignisse an der Oberfläche. Deshalb müssen wir, wenn wir eine Bestätigung formulieren an den tieferen Teil in uns, dieses im Präsenz tun und nicht in der Vergangenheits- oder Zukunftsform. Dafür wird der Ausdruck „Ich bin“ und nicht „Ich werde“ verwendet, um eine unmittelbare Reaktion vom tieferen Teil in uns zu erreichen.

In diesem Prozeß kann man keine unmittelbare Veränderung erzwingen. Veränderung erfolgt nicht durch Forderung, sondern durch sanfte und beständige Anregung, wie Wasser, das den Stein höhlt. Zuerst richtet man seinen Geist auf eine Bestätigung und fasst sie dann in Worte, wiederholt sie typischer Weise einige Male – sieben Mal oder öfter. Man tut das so oft wie möglich im Laufe des Tages. Dabei läßt man Negativität, die auftauchen kann, einfach kommen und gehen, ohne sie festzuhalten oder zu verdrängen, oder man gleicht die Negativität mit einer Bestätigung aus.

Zusätzlich zum Sprechen kann man die Bestätigung auch aufschreiben und an einen gut sichtbaren Ort legen, so das man den Tag hindurch daran erinnert wird.

Bestätigungen können entwickelt werden für alltägliche und spirituelle Zwecke. Ja mit ihnen kann man in jedem Lebensbereich Dinge manifestieren. Hier können einige Beispiele gegeben werden, aber letztlich sind Bestätigungen, die man selbst geschaffen hat, in seiner eigenen Art zu sprechen, kraftvoller als solche, die jemand anderes entwickelt hat. Davon gibt es nur wenige Ausnahmen:

  • eine speziell von einem Lehrer für eine Person entwickelte Bestätigung
  • eine Bestätigung, die die psychische Kraft von Generationen von Eingeweihten in sich trägt

Hier einige Beispiele:

  • Ich bin erfolgreich in allem, was ich tue und nichts ist unmöglich für mich.
  • Ich bin eine Person des Lichts und komme aus dem ewigen Licht, Dunkelheit kann mir nichts anhaben.
  • Ich bin ein sehr guter Student und Prüfungen sind ein Spaziergang für mich.
  • Ich bin eine heilige Person. Ich wandle in Anmut und Heiligkeit, der Herr ist mit mir.

Beispiel aus der Bibel:

Paulus: Epheserbriefe 6:10-18

Diese Beispiele kann man endlos fortsetzen. Zusammen mit spirituellen Bestätigungen versuchen Eingeweihte, positive Gedanken, Gefühle, Worte und Taten im täglichen Leben zu pflegen, mithin sie arbeiten an einem bestätigenden Lebensstil. Wenn man die Kunst der Bestätigung in einer völlig positiven und erhebenden Weise für sich selbst und andere verwendet, wird man mehr Segen als den erbetenen in seinem Leben erfahren. Man wird einen zunehmenden Fluß göttlicher Unterstützung und Gnade erfahren.

(Übersetzt u. zusammengefasst aus: Tau Malachi: Living Gnosis. – Woodbury, MN : Llewellyn, S. 122-124 u. 187-189)

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4 Antworten zu “Der Name Gottes und Selbstbestätigung (Affirmation)

  1. „Ich bin“ – ehm, das „ich“ gibt es eigentlich nicht.
    „… handeln wir […] zerstörerisch … […] Wohlstand, Erfolg und Gesundheit … – die Konnotation, die ich hier mache: alles was mit Wohlstand, Erfolg usw. zu tun hat ist positiv und das Gegenteil davon negativ! Doch das sind lediglich unsere Wertungen!
    Durch die Meditationsübungen kultivieren wir doch nur unser „ich“ oder nicht?
    Affirmation und Gnosis od. Sophia, wie passt das zusammen?

  2. Hallo Hebamme,

    ich hoffe Du beabsichtigst mit Deinem Kommentar einigen Erkenntnissen ans Licht verhelfen, möchte hier aber doch noch einmal ausdrücklich um respektvolle, konstruktive Beiträge bitten, da anderes in diesem Blog sicher nicht das Licht der Welt erblickt.

    In der Meditation bist Du mit einem tieferen Teil Deiner Seele verbunden, der in engem Kontakt mit Gott steht und in Einklang mit Gott ist. Die Inspirationen, die daraus für das Leben erwachsen, gehen über das eigene Ego hinaus und verkörpern, je mehr Du dem tieferen Teil deiner Seele nahe kommst, Gottes Intentionen. Dies ist ein lebenslanger Weg, ein Weg, der in der Regel mehrere Lebensspannen in Anspruch nimmt.

    In der Kabbala gibt es die 10 Sefirot, die verschiedene Qualitäten des göttlichen Lichtes und der damit verbunden Kräfte repräsentieren. Ebenso exisitieren die 4 Olamot (Universen) in denen es jeweils 10 Sefirot gibt. Olam Atzilut, das höchste Olam, besteht aus reinem göttlichen Licht. Alle Wesen, die hier existieren, sind im Einklang mit der göttlichen Intention. In den tieferen Olamot Beriyah und Yetzirah kommen Kräfte in Existenz, die ihren eigenen Willen haben und sich der göttlichen Intention nicht bewußt sind, in Ignoranz dieser Intention leben. In der Sefirah Malkut im tiefsten Olam Asiyah sind diese Kräfte der Ignoranz der göttlichen Intention am stärksten und das ist mit negativen Kräften gemeint.

    Natürlich dienen diese ignoranten oder negativen Kräfte auch der göttlichen Intention, aber sie tun dies unbewußt.

    Wenn ich also in der Meditation ein Ziel finde, das mit Gott im Einklang steht und es umsetzen möchte, stehen dem oft viele Widerstände entgegen (negative Kräfte), auch um die Wichtigkeit des Ziels für mich zu prüfen (wie in der evolutionären Entwicklung). Um ein solches Ziel zu erreichen sind positive Affirmationen oft ein gutes Mittel, diese negativen Kräfte in positive zu verwandeln oder aus meinem Leben zu verbannen.

    Die Übersetzung des hebräischen Gottesnamens JHWH ist „ich bin der ich bin“ oder „ich werde sein der ich sein werde“.

    Viele Grüße
    Martina

  3. @Martina:
    Danke für die Ausfühlriche Stellungnahme! Deiner Beschreibung der Meditation stimme ich zu. Doch ist für mich die Affirmation eine Kultivierung des „ichs“ (mit „ich“ meine ich das Ego). Im Einklang zu sein mit „Gottes Intentionen“ muss man jede Sekunde aus dieser „Seele“ leben, d.h. kann die Meditation nur als eine Art Ausrichtung dienen.

    Zu der Kabbala ist zu sagen, dass diese Ausführungen immer nur Spekulationen sein können. Wenn sie aber erfahren werden, … – bezweifle aber sehr, dass heute jemand dazu fähig ist – siehe auch Thorwald Dethlefsen, der wirklich sehr, sehr weit gekommen ist, bis er dann irregeführt wurde od. wie er sagte verraten wurde.
    Ich persönlich würde Widerstände nicht als negativ bezeichnen, sondern als Lernprozesse. Finde Wertungen generell sinnlos, denn was ist gut und was böse? Verstehe immer noch nicht was Weisheit und Gnosis mit Affirmation gemein haben (siehe auch Katharer)?

    Ich vermute, dass wir verschiedene Meinungen haben und diese Angelegenheit nicht ausdiskutieren werden können. Austauschen können wir uns auf jeden Fall 🙂

    lg hebamme

  4. Hallo,

    die Sophia-Gnostik ist eine Spritualität, die man nur aus dem Herzen heraus erfahren kann (siehe auch das Thema „Was ist Gnosis?“) Über das rationale Denken ist sie nicht erfahrbar, da sie eine andere Art Erkenntis meint, die intuitiv erfolgt. Sie ist in der Meditation und Kontemplation erlebbar, wenn man seine Vorurteile ablegt.

    Allerdings würde ich nie behaupten, das die Sophia-Gnostik für jeden der geeignete sprituelle Weg ist. Eine gewissen Resonanz mit den Lehren sollte man bei sich spüren.

    Alles Gute
    Martina

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