Thomasevangelium – Vers 2

„Jesus sprach: Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet; und wenn er findet, wird er erschrocken sein; und wenn er erschrocken ist, wird er verwundert sein, und er wird König sein über das All.“

Jesus said, „Let him who seeks continue seeking until he finds, When he finds he will become troubled. When he becomes troubled, he will be astonished, and he will rule over the all.“ (Übersetzung von Tau Malachi)

Um den Geist der Wahrheit zu finden, musst du suchen, bis du erkennst, dass der Geist dir innewohnt und bis du die Wahrheit durch deine eigene Erfahrung erkennst. Es genügt nicht, dass eine andere Person die Wahrheit entdeckt hat. Jeder muss selbst nach der Wahrheit suchen und streben, wenn er seine Seele befreien und erwecken will zur bewußten Einheit mit Gott.

Dieses Streben ist die Suche nach dem heiligen Gral, der nicht ein physisches Relikt oder eine heiliger Pokal, nicht etwas außerhalb von einem selbst ist. Der heilige Gral ist viel eher das gereinigte und geweihte Herz, Seele, Geist und Leben; er ist man selbst, wenn man offen und empfindsam ist für den Christus-Geist, so dass man sein Leben wie Christus führt. Der Gral ist das Herz, in dem der Herr wohnt, der Mensch, der die uns innewohnende Geistverbindung entdeckt hat und im inneren lebendig ist. Er ist das Christ-Selbst, der Logos und die Sophia Gottes, das innere und höhere Selbst, dass unser geheimes Zentrum und unsere heilige Wurzel ist.

Nun sind das nur Worte, Konzepte im Geist. Es ist der Charakter dieser heiligen Suche, das man eine Vokabel, einen Namen oder ein Konzept hat, für das, was man sucht, eine Vorstellung, was es sein kann, wie und wo es gefunden werden kann. Aber in Wirklichkeit weiss man nicht, wonach man sucht, wie, wo und wann man es finden kann. Welche Vorstellung man auch immer haben mag, sie ist wahrscheinlich eher ein Hindernis oder eine Blockierung beim finden dessen, was du suchst, eher irreführend als hilfreich.

Wenn die Suche auf vorgefasste Meinungen, Vorbedingungen und Erwartungen gegründet ist, auf wer und was du denkst zu sein, dann wird die Suche selbst zur Behinderung und du kannst nicht entdecken, was du suchst. Wenn du nach etwas suchst, das nicht existiert, oder auf eine Art und an einem Platz, wo es nicht zu finden ist, wirst du es tatsächlich nicht entdecken.

Von vornherein musst du verstehen, dass das Wesen Gottes sehr verschieden von allem ist, das du dir vielleicht vorstellst und das du selbst nicht bist, was du vielleicht denkst zu sein. Was immer deine vorgefassten Meinungen, Vorbedingungen und Erwartungen sein mögen, das zusammenhängende Ganze der Wirklichkeit und Wahrheit Gottes ist noch mehr und kann nicht vom gradlinig denkenden Verstand oder dem dualistischen Bewußtsein erfasst und verstanden werden. Gott wird immer ein Geheimnis sein, der Namenlose und Unbekannte. Gott ist vollkommen anders als man denken mag. Dieses zu entdecken ist beunruhigend und erschüttert einen im Innersten!

Dem HERREN nahe zu kommen ist zutiefst beunruhigend, denn ich muss NICHTS werden, LEER von mir selbst, so das der HERR eintreten und der heilige Geist mich erfüllen kann. Gott ist NICHTS (Ain) und ich muß nichts werden, um mich mit dem HEILIGEN EINEN DES LEBENS zu vereinen.

Wenn du glaubst, etwas zu sein, eine dauerhafte und unabhängige Eigenexistenz zu haben, eine feste und feststehende Person zu sein, ist es sehr beunruhigend zu entdecken, dass dein geheimes Inneres NICHTS ist, dass du LEER bist von einer dauerhaften und unabhängigen Eigenexistenz. Wenn du das jedoch entdeckst, wirst du begreifen, dass es das Wesen von allem Existierenden ist. Du entdeckst, dass alles unbeständig ist, dass sich alles verändert. Die Realität ist LEER von jeder dauerhaften und unabhängigen Eigenexistenz. Es gibt nur den HEILIGEN EINEN DES LEBENS, den EINEN-OHNE-ENDE (Ain Sof). Doch in dieser Gnosis erlangt der Prophet oder Apostel Gottes die Herrschaft über das Universum, den alles ist die magische Darstellung des göttlichen Geistes, der Seele Christus.

Es gibt noch eine andere Art von Beunruhigung, die mit dem dämmern höheren Bewußtseins, wenn man dem HERRN näher kommt, eintreten kann. In der heiligen Einheit, die Gott darstellt, begegnest du uneingeschränkter und höchster Vollkommenheit, der uranfänglichen LEERE, die gleichzeitig die göttliche Fülle ist. Vor der Vollkommenkeit des HERRN ist deine eigene Unvollkommenkeit ein greller und krasser Kontrast, eine zutiefst beunruhigende und wirklich schmerzliche Sache. Indem du dem HERREN näher kommst, entdeckst du, wie weit du von Gott entfernt bist. Das ist die Ursache für die dunkle Nacht der Seele, von der die Mystiker auf ihrer Reise sprechen.

Jeder der sucht muss gewillt sein, die Beunruhigung zu ertragen, die mit dem Finden kommt, gewillt sein, die dunkle Nacht der Seele auszuhalten und die Prüfung der Einweihung. Der mystischer Tod geht der Auferstehung voraus; das Herabsteigen in die Tiefe geht jedem Aufstieg voraus. Der lebendige Yeshua hat den Weg vor uns geöffnet und ihn uns gezeigt. Auch wir müssen sterben und wiedergeboren werden, herabsteigen in die Tiefe und aufsteigen; wir müssen gewillt sein, täglich unser Kreuz auf uns zu nehmen und dem Christ-Selbst in uns zu folgen. Nur auf diese Weise können wir Erlösung erlangen.

Das ist keine neue Erkenntnis. Das Leben lehrt diese Lektion. Die Geburt selbst ist beunruhigend und schmerzhaft, und doch kommt durch sie die große Freude des Leben. So ist es mit allem im Leben. Der Schmerz ist Teil des Vergnügens, die Trauer Teil der Freude. Der Tod ist ein Teil des Lebens. Man kann das Eine nicht ohne das Andere haben. Alles ist miteinander verbunden und voneinander abhängig; das ist das Wesen der Dinge, die immer-werden. Du mußt lernen, das ganze Leben und dein ganzes Selbst zu akzeptieren und zu umschließen, wenn du den Geist der Wahrheit entdecken möchtest. Das Licht und die Dunkelheit müssen verbunden werden, und du mußt die heilige Einheit erkennen.

Nun sage ich dir, wenn du suchst, wird das, was du findest, beunruhigend sein, den du wirst entdecken, dass all die Gewohnheiten der Sterblichen und ihr Prunk eitel und zwecklos sind, bloße Eitelkeit unter der Sonne. Nahezu alles, was die unerleuchtete (unaufgeklärte) Gesellschaft innig schätzt, ist letzten Endes bedeutungslos, und was wir selbst schätzen und für sehr wichtig halten, ist ganz und gar nicht wichtig. Es ist alles beliebig. Alles ist Staub im Wind mit dem Vergehen der Zeit. Was wird all das in der Stunde der Abrechnung, im Moment des Todes bedeuten? Die Welt wird nichts sein und du wirst nichts sein. Was wird sein, wenn du das Christ-Selbst in dieser Stunde nicht als dein innerstes Selbst kennst? Was wird aus dir werden?

Ich sage dir rundheraus, die äußere Person, die ich bin, ist nichts. Dieser Name und diese Gestalt sind ein vorübergehender Zustand, der von sich aus gar nichts bedeutet. Wenn ich nicht die innere Person, das Seelen-Wesen und Christ-Selbst in mir kenne, ist die äußere Person nur Eitelkeit unter der Sonne. Zu lieben, Wissen zu sammeln und die Menschheit zu Gott zu erheben ist der Zweck und die Bedeutung des Lebens. Der Name und die Gestalt haben in dem Maße Bedeutung, in dem sie das messianische Bewußtsein verkörpern. Die Seele kommt ins Leben, damit das Wesen, das in dir ist und sich entwickeln kann, Gestalt annimmt und sich in der kommenden Welt manifestieren kann. Wenn du etwas von dieser großen Aufgabe erreichst, wird alles was du im Leben tust mit Bedeutung erfüllt sein. Wenn du aber viele Dinge erreichst und für groß gehalten wirst im Urteil der Sterblichen, aber du erreichst nichts von der großen Aufgabe, ist alles was du tust bedeutungslos, reine Eitelkeit. Das ist eine einfache Wahrheit.

„Bittet und ihr werdet bekommen! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch geöffnet! Denn wer bittet, der bekommt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet“  ( Matthäus 7:7-8 )

Zu bitten ist zu erhalten, zu suchen ist zu finden, anzukopfen ist das Öffnen der Tür, so dass du eintreten kannst. Es bist nicht du, der bittet oder sucht oder anklopft, sonder der Christ-Geist in dir, und es ist die Gnade, die antwortet, die Gnade, die findet, der heilige Geist, der anklopft und eintritt und alles vollbringt. Deshalb ist das Versprechen sicher – derjenige, der mit dem überirdischen Licht gesalbt ist, erreicht die Herrschaft über das Universum. Von mir selbst aus kann ich nichts erreichen; Christus in mir vollbringt alles. Das ist eine erstaunliche Entdeckung und sie kommt mit heiliger Ehrfurcht und mit heiliger Verwunderung!

Gebt Acht, ich stehe vor der Tür und klopfe an! Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, werde ich bei ihm einkehren. Ich werde mit ihm das Mahl halten und er mit mir. Alle, die durchhalten und den Sieg erringen, erhalten von mir das Recht, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, so wie ich selbst den Sieg errungen habe und nun mit meinem Vater auf seinem Thron sitze. (Offenbarung 3:20-21).

(Übersetzt aus: Tau Malachi: The Gnostic Gospel of St. Thomas : meditations on the mystical teachings. – Saint Paul, MN : Llewellyn, 2004, S. 4-7)

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Eine Antwort zu “Thomasevangelium – Vers 2

  1. Springhetti Klaus

    Dear Sirs !

    Möglicherweise handelt es sich bei Eurer Stellungnahme um die einzige dzt. im 21. Jhdt. bestehende unabhängige und wirklich „zäsurfreie“, wenn wir wirklich unter Zäsur den Urbegriff im Zusammenhang der Geschichte verstehen, vorherherrschenden Beitrag zum Thema „Heiliger Gral“ im Verständnis mit dem Thomas-Evangelium. Möge der Opus-Dei oder auch die päpstliche Kommandur aller „Nuntiuse“ Ihre Kommandoauftrage auszuführen versuchen: – Freie für mich eigengläubige Einstellungen:;
    „Suchet Uns nicht in Gebäuden aus Steinen oder Holz, Ihr werdet uns woanders finden „

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