Thomasevangelium – Vers 67

Jesus spricht: “Wer alles erkennt – wenn es ihm an einem mangelt, hat es ihm (schon) an allem gemangelt”

Wenn du erkennst, dass du mit der heiligen Einheit Gottes verbunden bist, wirst du nicht mehr unter der Täuschung des Mangels und der Trennung leiden. Die Leiden persönlicher Defizite verschwinden. Wirklich, Glauben an den Tod und die Wiederauferstehung Yeshua Messias und das Wissen um den innewohnenden Christus erleuchtet die Seele und befreit dich von den kosmischen Kräften der Ignoranz und des Todes. Erinnere dich an das Versprechen am Beginn des gnostischen Thomas-Evangeliums: „Wer die Bedeutung dieser Verse erkennt, wird den Tod nicht erfahren.“ Ist dein Glauben durch Verstehen geprägt? Das heisst, hast du wirklichen Glauben? Strebst du nach wahrer Gnosis durch Glauben und die guten Werke des Glaubens? Dann wirst du mit Sicherheit Gnosis erlangen und du bist schon erlöst! Hast du Vertrauen darin, dass Christus in dir wohnt und du von der Gebundenheit an Ignoranz und Tod erlöst wirst? Dann ist jetzt deine Auferstehung und der Beginn des Messianischen Bewusstseins ist nahe! Preise den HERRN!

Nun muss gesagt werden, dass es nicht genug ist, mystische Erfahrungen zu haben. Du musst die Wahrheit und das Licht, die dir in deinen Erfahrungen offenbart werden, in dich integrieren. Lass dich durch die spirituellen Erfahrungen transformieren, und lebe so in Übereinstimmung mit der Wahrheit und dem Licht, die dir in deiner Erfahrung offenbart werden. Um direkte spirituelle Erfahrungen zu haben, musst du die Bedingungen schaffen, in denen ein Wechsel in einen höheren Bewusstseinszustand möglich ist und die göttliche Gnade wirken kann.

Wenn ich nicht regelmässig bete und meditiere und den HERRN, meinen Gott, in Geist und Wahrheit verehre, kann ich tätsächlich nicht erwarten, in höhere Bewusstseinszustände oder prophetische Ebenen des Bewusstseins zu gelangen. Schon gar nicht kann ich erwarten, dass solch eine Erfahrung mich verwandelt, wenn ich sie durch puren Zufall machen sollte. Der Meister spricht hier wieder die Möglichkeit und Notwendigkeit der direkten spirituellen Erfahrung an. Er spricht von den Übungen und von der spirituellen Lebensweise, die diese Erfahrungen hervorbringen.

Zugleich spricht der Meister von etwas, das noch viel feinsinniger und erhabener ist. Er sagt, dass es die göttliche Gnade ist, die alles vollbringt. Dies geschieht aber nur, wenn der Schüler sein egoistisches Selbst zurückhält, sein Verstandeswesen zum schweigen bringt und sein lebendig-emotionales Wesen besänftigt, so dass die göttliche Gnade ohne Behinderung wirken kann. Wenn man auf diese Weise in die heilige Einheit kommt, gibt es niemanden, der unzulänglich ist. Das Christselbst in Einheit mit dem heiligen Vater und dem heiligen Geist tut alles. Im egoistischen Zustand ist alles persönlich, aber im Zustand der Selbst-Transzendenz ist überhaupt nichts persönlich. Wenn man direkt die Erfahrung solcher Selbst-Transzendenz gemacht hat und etwas von dem höheren Bewusstsein verkörpert, kann man sich selbst nicht mehr als getrennt von der heiligen Einheit betrachten. Deshalb kann man auch in keiner Weise unzulänglich sein. Die spirituelle Erfahrung, von der der Meister spricht, ist zutiefst heilend und befreiend.

Lasst mich mit euch das Ideal teilen, das die Eingeweihten unserer Line bei den spirituellen Übungen und beim spirituellen Leben haben. Sie sind der Ansicht, dass das Christselbst in ihnen betet, meditiert und Gott im Geist und in der Wahrheit verehrt, und dass das Christselbst ihr Leben lebt und dabei danach strebt, Gottes Plan zu verwirklichen. In allem, was getan wird, ist der heilige Geist der Handelnde. Der Eingeweihte ist der bewusste Zeuge und das Mittel für diese Handlung der göttlichen Gnade. In diesem Sinne würden die Meister unserer Tradition leidenschaftlich mit dem Heiligen Paulus übereinstimmen, der behauptet, dass die Erlösung im Glauben durch göttliche Gnade erfolgt.

Wenn du mit dieser erleuchteten Sichtweise spirituelle Übungen ausführst, wie könntest du dann glauben, dass eine gute Übungssitzung das Resultat deines eigenen tuns ist, oder eine schlechte Sitzung das Resultat eines persönlichen Mangels? Wenn du diese Sichtweise ebenso im persönlichen Leben anwendest, wo soll dann ein persönlicher Mangel sein? Alles wird für dich eine göttliche Arbeit sein, die getan werden muss. Du wirst den heiligen Geist einfach tun lassen, was er tun muss und dabei vollständig mit ihm kooperieren. Alles ändert sich mit dieser Sichtweise. Das Wesen dieser Veränderung ist tiefgründig. Wenn du weisst, dass du mit dem HERRN gehst und der Geist des HERRN bei dir ist, wird das negative Selbstbewusstsein, das dich einmal plagte, nicht mehr da sein oder wenigstens nicht mehr so stark sein wie früher.

Lass es dir klar gesagt sein, dass es auf dem Weg um Selbst-Transzendenz geht, um den Dienst am anderen Menschen und für Gott, den HERRN. Wer hat Zeit, sich seiner Selbst bewusst zu werden, mitten beim Dienst für andere Menschen und für Gott, den HERRN? Wenn ich mich zu irgendeiner Zeit zu selbstbewusst empfinde, dann bin ich in diesem Moment vielleicht zu selbstzentriert und diene eher mir selbst als dem HERRN in diesem Moment. Ich habe das immer als zutreffend empfunden.

(Übersetzt aus: Tau Malachi: The Gnostic Gospel of St. Thomas : meditations on the mystical teachings. – Saint Paul, MN : Llewellyn, 2004, S. 209-211)

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