Partzuf-Meditation: Vereinigung mit dem lebendigen Yeshua (Jesus)

Einführung
Im Thomasevangelium erscheint der Name der “Lebendige Yeshua”: “ Dies sind die geheimen Worte, die der lebendige Yeshua sprach und die Didymos Judas Thomas niederschrieb.” (Vers 1). In der Christlichen Gnostik ist der Name Lebendiger Yeshua sehr genau bezeichnet. Er bedeutet “der aufgestiegene Christus” oder “der aufgestiege Retter” und weist auf die inneren und geheimen Lehren sowie die entsprechenden Einweihungen, die Herr Yeshua an seine Jünger nach der Auferstehung weitergab.

Hierin spiegelt sich eine wesentlicher Unterschied zwischen orthodoxen Formen des Christentums und dem gnostischen Christentum wieder. Die Orthodoxie ist hauptsächlich auf die äußeren und öffentlichen Lehren gerichtet, die Yeshua vor der Kreuzigung lehrte, während sich die christliche Gnostik auf die inneren und geheimen Lehren gründet, die Meister Yeshua nach der Auferstehung weitergab – die geheimen Lehren des lebendigen Yeshua. Dass das Thomasevangelium in diese Weise beginnt, deuet an, das seine Verse vom aufgestiegenen Christus kommen.

Die meisten christlichen Gnostiker legen nicht in gleicher Weise Wert auf die Lehren des heiligen Paulus, wie orthodoxe Christen dies tun. Schließlich ist Paul nach seinen eigenen Worten der “geringste der Apostel”. Jedoch ist für Gnostiker die Bekehrung Saulus zum heiligen Paulus von Bedeutung, denn seine Bekehrung findet durch den lebendigen Yeshua oder aufgestiegenen Christus in einer spirituellen und mystischen Vision statt (s. Apostelgeschichte, Kap. 9). Nicht nur fand seine Metanoia (spirituelle Wandlung) durch mystischen Kontakt mit dem lebendigen Yeshua in einer Vision statt. Auch die Jünger, die ihn empfingen, erlebten den lebendigen Yeshua in einer Vision. Er beauftragte sie, Paul von seiner Blindheit zu heilen und ihn in ihren Kreis aufzunehmen.

Die orthodoxe Kirche spricht von solchen Ereignissen nur in der Vergangenheit und bringt eine vergebliche “apostolische Nachfolge” hervor, die völlig getrennt ist von der direkten Erfahrung des lebendigen Yeshua. Ein blinder Glauben führt die Blinden, und Unwissenheit lehrt die Unwissenden. Das Prinzip der apostolischen Folge und die Lichtübertragung, die in ihr weitergegeben wird, bedeuten für den gnostischen Christen etwas ganz anderes.

Denn der Gnostiker weiss, dass die Christpräsenz in ihm oder ihr existiert. Er weiss, dass die direkte Erfahrung des lebendigen Yeshua jedem offensteht, der danach strebt, den Gesalbten zu empfangen. Somit ist wahre Gnosis, Gnosis und Gemeinschaft mit dem lebendigen Yeshua, nicht auf die Vergangenheit beschränkt. Sie ist eine in der Gegenwart andauernde Erfahrung für den Gnostiker. Die direkte spirituelle oder mystische Erfahrung des lebendigen Yeshua ist die Grundlage der christlichen Gnosis und der wahren apostolischen Folge.

Vor allem wegen dieses Glaubens wurden Gnostiker als Häretiker gebrandmarkt, denn sie wissen, dass der lebendige Yeshua und der heilige Geist über alle von Menschen geschaffenen religiösen Institutionen hinausgehen. Sie wissen, dass die apostolische Nachfolge nicht von der Verbindung mit einer externen Kirche abhängt, dass jeder, der mit dem lebendigen Yeshua, dem aufgestiegenen Christus, in Verbindung treten möchte, dies tun kann. Jeder kann die Lehren und die Lichtübertragung direkt vom Gesalbten empfangen.

Spirituelle Lehrer und die Jüngerschaft werden unter den meisten christlichen Gnostikern hoch geschätzt. Speziell dienen sie dem Zweck der Führung auf dem Weg zur Sebsterkenntnis und lehren den Interessierten, wie man in die Gnosis und Gemeinschaft mit dem lebendigen Yeshua direkt eintritt sowie in die Gemeinschaft mit der strahlenden Versammlung der Tzaddikim (Lehrer) und Maggidim (Lehrer und Engel). Das ist die wesentliche Absicht des gnostischen Christentums.

Aus diesem Grunde haben gnostische Kirchenälteste (Adepten) und Tau (Meister) Partzuf-Meditationen entwickelt. Sie sind eine Methode, sich mit göttlichen Personifikationen zu vereinigen, um den Interessierten zu lehren, wie man direkten Kontakt mit dem lebendigen Yeshua herbeiführt und erfährt. Einerseits ist es eine Übung für die Wahrheit und das Licht in einem selbst und eine Erinnerung an sie. Andererseits ist es eine Möglichkeit, den Gesalbten für sich selbst zu erfahren. Es ist ein Weg der Gnosis.

Im der Gnostik wird gelehrt, dass die Auferstehung vor allem ein spirituelles Ereignis ist, das nicht mit dem physischen Auge wahrgenommen wird, sondern mit dem spirituellen Auge. Die Geschichte des heiligen Paulus spiegelt das sehr gut wider. Während sich sein spirituelles Auge öffnet, durchlebt er eine physische Blindheit. Dies ist symbolisch für die Notwendigkeit auf einer anderen Ebene durch die inneren Sinne sehen, hören, riechen, fühlen und berühren zu lernen.

Die Methoden der spirituellen Übungen und der Meditationen in der Gnostik wurden speziell ausgebildet, um das Öffnen der inneren Sinne zu unterstützen, durch die man direkte Unterweisungen durch den aufgestiegenen Christus und heiligen Geist erfahren kann. Partzuf-Meditationen sollen genau das bewirken: unsere inneren Sinne öffnen und den Lichtkörper (einen feineren Bewußtseinskörper) entwickeln.

Partzuf-Meditationen habe jedoch auch noch einen anderen Zweck: die Entwicklung von “heiligem Stolz”. Im wesentlichen ist damit die Auflösung der Selbstidentifikation mit unserem begrenzten Namen und unserer Form gemeint. An ihre Stelle tritt die Entwicklung einer neuen Selbstidentifikation mit dem voll entwickelten und verwirklichten Wesen, dem inneren Christus.

Weil dies die Wahrheit unseres innersten Wesens ist, die Lichtseele in uns, bringen wir durch die Meditationsübung auf natürliche und spontane Weise die Lichtpräsenz aus uns hervor. In Verbindung mit spiritueller Bescheidenheit steht die Pflege des heiligen Stolzes im Mittelpunkt des Weges unserer Tradition. Spirituelle Bescheidenheit oder spirituelle Demut ist der Zustand des Leerseins von uns selbst und gleichzeit völlig offen und feinfühlig seins für den heiligen Geist. Deshalb kennt typischerweise jeder Sophia-Gnostiker wenigstens eine Form der Vereinigung mit einem Partzuf.

Das grundlegende Ziel in allen Partzuf-Meditationen ist, eine bewußte Vereinigung mit dem Partzuf zu erfahren und ihn im eigenen Leben zu verkörpern. Im Grunde hat man zum Ziel, seinen Geist, sein Herz und sein Leben mit der Lichtpräsenz zu vereinigen, die vom ausgewählten Partzuf verkörpert wird sowie diese Lichtpräsenz so vollständig wie möglich zu leben.

Diese Idee spiegelt sich im Namen Didymos Judas Thomas, was wörtlich “Zwilling” Judas Thomas bedeutet – der”Zwilling des lebendigen Yeshua.” Durch Partzuf-Meditationen werden wir ebenfalls zu Zwilligen der Lichtpräsenz. Partzuf-Meditationen sind sehr kraftvolle Übungen, die beim Erwerb geheimen Wissens, mystischer Erfahrungen und verschiedener Wunder helfen.

Im folgenden beschreiben wir hier die Partzuf-Meditation “Vereinigung mit dem lebendigen Yeshua”, aber im Blog und auf der Website der Sophia Fellowship finden sich weitere Meditationen: mit der heiligen Mutter, Maria Magdalena, Johannes dem Täufer und dem heiligen Lazarus. Jede von ihnen repräsentiert ein Gesicht des Geliebten – der Christpräsenz. Die Meditation lebendiger Yeshua ist wahrscheinlich die am meisten verbreitete unter gnostischen Christen. Aber auch Meditationen mit der heiligen Mutter und der heiligen Braut (Maria Magdalena) sind sehr üblich.

Die Meditation
Setze dich an einen Ort, wo du nicht gestört wirst und komme zur Ruhe. Führe das Kabbalistische Kreuz aus und verweile in der ursprünglichen Meditation. Lass dein Herz an den Platz zurückkehren (den aktuellen Moment). Dies ist die Grundlage aller guten Dinge.

Wende deine Aufmerksamkeit von diesem ursprünglichen Ort zum Bild der spirituellen Sonne in deinem Herzen. Stell dir vor, dass die spirituelle Sonne in dir scheint und deinen gesamten Körper und Geist erleuchtet. Wende deinen Geist und dein Herz dem lebendigen Yeshua zu. Bete, dass der Gesalbte zu dir kommt und bei dir verweilt. Dann stell dir vor, dass ein Lichtstrahl von deinem Herzen ausgeht. Er entspringt deinem Herzen so plötzlich wie eine Sternschnuppe. Durch ihn entsteht das Bild des lebendigen Yeshua magisch im Raum vor dir. Es ist ein Bild von strahlender und lichtdurchlässiger Herrlichkeit. (Das göttliche Bild sieht aus, als wäre es auch durchsichtigem Licht geformt, wie ein Regenbogen, der leuchtend und deutlich sichtbar ist, durch den man aber hindurchsehen kann.)

Das Meditationsbild: Der aufgestiegene Eine erscheint so, als wäre sein Körper aus Sonnenlicht gemacht. Er trägt eine innere Robe aus weißer Helligkeit und eine äußere Robe in Violett oder Amethyst. Sein fester Blick ist intensiv und zugleich zutiefst liebevoll. Er ist eingehüllt in eine große Regenbogen-Aura. Dabei ist der rote Streifen seinem Körper am nächsten und der violette Streifen am äußersten Rand. Er scheint mit seinen Füßen nicht auf dem Boden zu stehen, sondern schwebt im Raum vor dir als würde er in der Luft stehen.

Öffne deinen Geist und dein Herz dem heiligen Einen völlig und bete zum Gesalbten. Ebensosehr, wie du deine Gebete sprichst, werde ein Schoß der Stille, höre und verstehe das Wort der Lebenskraft, dass er zu dir spricht. Hege Gnosis und Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus. Während dessen halte die Visualisation so deutlich wie möglich. Schaue sie nicht nur, sondern fühle die Wärme und Schwingung, die Liebe und das Mitgefühl, das Verständnis und die Akzeptanz durch den Herrn. Wenn du empfindest, dass dein Gebet und deine Gemeinschaft mit dem Gesalbten vollständig sind, beginne mit seinem Chant:

Der einfachste Chant ist der gesegnete Name des Gesalbten: Yeshua. Alternativ kannst du Adonai Yeshua, Yeshua Messia oder Hayyah (der lebendige) Messia anstimmen. Der üblichste Chant für diese Übung ist Adonai Yeshua, Yeshua Messia.

Während du den Namen des Gesalbten chantest, stell dir vor, dass er deine Gebete und Bitten erfüllt. Dabei lächelt er dich an und schickt Lichtströme von seinem Körper und seiner Aura. Gnade und Segen ergießen sich über dich und ermächtigen dich in der großen Arbeit. Sieh deinen eigenen Körper und Geist heller und heller scheinen. Sieh, wie deine eigene Aura in die Herrlichkeit des Regenbogens verwandelt wird.

Wenn du zum Ende des Chants kommst, stell dir vor, wie sich das göttliche Bild auflöst in fließendes Licht. Stell dir vor, wie dieses Licht in die spirituelle Sonne in deinem Herzen zurückfließt. Erkenne in der Stille Christus als deine ureigene Seele. Lass deinen Geist mit dem Geist Christus verschmelzen. Lass dein Herz mit dem heiligen Herzen von Christus verschmelzen. Lass deinen Körper mit dem mystischen Körper von Christus verschmelzen.

Bleibe in dieser Vereinigung so lange du kannst, ob es nun ein Moment ist oder eine längere Zeitspanne. Wenn sich dein Geist und dein Herz regen, beende die Meditation mit Dank und Lobpreisung. Dehne mit einem Gebet das Licht des großen Seth (Kreuz) auf alle Wesen aus und führe das Kabbalistische Kreuz aus.

Lass die Energie zur Ruhe und zum Ausgleich kommen und erde dich einige Minuten, bevor du aufstehst. Wenn du in die Welt hinaus gehst, betrachte alles, was du siehst, als die Lichtheimstatt und den Körper des Gesalbten. Höre jedes Geräusch als das Wort des heiligen Einen. Empfange jeden Gedanken und jede Emotion, die in deinem Geist aufsteigen, als die angeborene Weisheit Christus. Übe in dieser Weise das heilige Siegel der Vereinigung den Tag hindurch. Lebe als Christusträger. Dies ist die grundlegende Meditation der Vereinigung mit dem lebendigen Yeshua, dem aufgestiegenen Christus.

Die Methode des Öffnens der inneren Sterne
Dies ist eine Erweiterung der gleichen Meditationsübung. Bei dieser Methode stellt sich der Eingeweihte die sieben inneren Sterne im göttlichen Bild Yeshuas vor, vom Kronenstern bis zum Wurzelstern (mit den Farben des Regenbogenspektrums, Krone = violett, Braue = königsblau, Hals = hellblau, Herz = grün, Solarplexus = gelb, Nabel = orange, Wurzel = rot) und einen transzendenten Stern von diamantenem Strahlen über dem Kopf des Herrn.

Während man sich die Ausdehnung des Segens beim Chanten des gesegneten Namens vorstellt, stellt man sich gleichzeitig vor, wie ein Strahl von juwelenfarbenem Licht von jedem inneren Stern ausgeht. Dieser Strahl, der vom Körper des Gesalbten ausgeht, scheint auf die inneren Sterne in unserem eigenen Körper und öffnet diese.

(Eine andere Methode besteht in der Vorstellung, dass ein intensiver Lichtstrahl vom transzendenten Stern über dem Kopf des Herrn ausgeht und auf den transzendenten Stern über dem eigenen Kopf trifft. Dadurch scheinen im eigenen Körper spontan die sieben inneren Sterne als die Regenbogen-Herrlichkeit des transzendenten Sterns auf.) Die gesamte Übung ist abgesehen von diesen Details der Visualisation exakt gleich. Diese Methode ist noch immer eine Grundübung. Fortgeschrittene Übungen werden von dieser Grundlage ausgehend in der Tradition gelehrt. Dafür ist jedoch die besondere Anleitung und Einweihung durch einen Ältesten oder Tau erforderlich.

Die grundlegende Methode der Bewußtseinsübertragung
Diese Methode ist ebenso grundlegend die gleiche. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Eingeweihte sich am Ende der Meditation vorstellt, dass sein Körper und Geist sich in der spirituellen Sonne verdichten und in fließendes Licht auflösen. Diese Licht schießt dann in das heilige Herz des göttlichen Bildes. In dieser Weise verlagert der Eingeweihte das Zentrum seines Bewußtseins in den Lichtkörper oder das göttliche Bild.

Dies ist eine Übung für das Bewußtsein außerhalb des Körpers und für bewußtes Sterben. Typischerweise ist eine besondere Anleitung verbunden mit einer Einweihung oder Ermächtigung notwendig für alle Formen der Bewußtseinsübertragung. Jedoch ist die vorgestellte Methode grundlegend und kann sich bei einem aufrichtig Übenden als produktiv erweisen, wenn er das Wissen und einige Erfahrung mit der Meditation der Vereinigung mit dem lebendigen Yeshua hat. Als diesem Grunde bieten wir die Methode hier relativ öffentlich dar.

Wir beten, dass alle, die die Gnosis des lebendigen Yeshua suchen, diese empfangen! Wir beten, dass das Licht des großen Seth alle erleuchten möge! Amen.

[Übersetzt aus: Forum der Sophia Fellowship, Foundation Practices]

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