Schlagwort-Archive: Apokalypse

Der Fest der Apokalypse

Heiliger Evangelist Johannes in Patmos

H. Memling: Heiliger Evangelist Johannes in Patmos

Das Fest der Apokalypse findet zu Tag- und Nachtgleiche im Herbst statt, an der Schwelle zur Zunahme der Dunkelheit im Sonnenjahr, wenn sich das Jahr langsam auf die Wintersonnenwende zubewegt. Die Apokalypse repräsentiert das zweite Kommen – den Beginn des höheren Bewußtseins in einem größeren Teil des menschlichen Kollektivs im Gegensatz zum ersten Kommen des Messias in der Person Yeshuas (Jesus Christus). In Genesis sehen wir ein Herabsteigen und eine Involution in die materielle Dimension und in der Apokalypse sehen wir die Gegenbewegung: eine Evolution und ein Aufsteigen von Seelen zur Pleroma des Lichtes, ihre Erleuchtung und Befreiung.

Die Apokalypse ist kein einmaliges Ereignis in der Vergangenheit oder Zukunft, sie ist ein ständiger Prozeß, ebenso wie die Schöpfung im hier und jetzt stattfindet. Das Leben ist ein dauernder Tanz der Schönheit und des Horrors, der Schöpfung und Zerstörung, des Lebens und des Todes, des Lichtes und des Schattens.

Man muss sich eine Frage stellen beim Fest der Apokalypse: Gibt es ein verborgenes Zentrum des Friedens und der Freude in uns – ein Wesen, das über dem Spiel von Schönheit und Horror, Glück und Trauer, Krankheit, Leben und Sterben, guten und schlechten Zeiten und dem Erscheinen von Licht und Dunkelheit steht?

Dieses verborgene Zentrum ist der innerste Teil unserer Seele, die Essenz und das Wesen unseres Seelenstromes, der in Wahrheit ungeboren und deshalb unsterblich ist. Es ist die Licht-Präsenz und Lichtkraft, die wir den innewohnenden Christus und heiligen Geist nennen. Über dieses Wesen in uns lehrt uns der erleuchtete Autor der Hebräerbriefe: „Er hat weder Vater noch Mutter, einen Stammbaum von ihm gibt es nicht. Seine Lebenszeit hat weder Anfang noch Ende – darin gleicht er dem Sohn (der Sonne) Gottes. Dieser Melchisedek (Er-Sie) also bleibt Priester auf ewig.“ (7:3)

Bei unserer Feier des Festes der Apokalypse versuchen wir uns an das verborgene Licht-Zentrum im innersten unserer Seele zu erinnern und diesen Teil in uns zu feiern, der über dem Spiel aus Licht und Schatten und über aller Dualität steht und der unser Heilige Lehrer (Heilige Tzaddik), unsere Vollkommenheit in Christus ist. Ebenso erinnern wir uns und feiern das Ziel unseres sprituellen Weges und streben aktiv nach seiner Verwirklichung – den Messias zu verkörpern, Erleuchtung und Befreiung zu erlangen, auch wenn der Weg sich über viele Leben erstreckt.

Die Offenbarung des Johannes ist eine tiefsinnige und vielschichtige Schrift der Heiligen Kabbala und Jahr für Jahr ist eines ihrer Geheimnisse Thema unseres Festes.

[Übersetzt aus: Tau Malachi: Holy Feast of the Apocalypse]

Advertisements