Schlagwort-Archive: Binah

Binah – die göttliche Fülle

In der jüdischen Kabbala lautet der göttliche Name für Binah “Yahweh, ausgesprochen als Elohim”. Wie wir im Kapitel über Da’at, das den Namen “Yahweh Elohim” mit Binah teilt, entdeckten, verweist dieser Name auf die eine Lebenskraft, die viele Formen annimmt. Wie wir bereits sahen, ist die Pleroma (Fülle) der göttlichen Fülle im eigentlichen Sinne Chochmah, während Binah die uranfängliche Leere oder Empfänglichkeit ist. Durch Binah wird die göttliche Fülle verwirklicht.

Eine Möglichkeit, dies näher zu verdeutlichen ist der Partzuf von Binah, Ima oder Aima (die Mutter) und die Vorstellung des Mutterschoßes. Ursprünglich repräsentiert der Schoß die Leere. Nach der Empfängnis ist er jedoch die göttliche Fülle. Vor ihrer Vereinigung sind die Kraft des Vaters und die Matrix (Gebärmutter) der Mutter nur ein Potential. Durch ihre Vereinigung verwirklichen sie dieses Potential gegenseitig. Auf diese Analogie von Mann und Frau weist der Name Elohim selbst hin. Er ist ein feminines Substantiv mit einem maskulinen Plural. Er legt den Schoß der schwangeren Frau, die absolute Einheit in der unendlichen Vielfalt nahe.

Manche Okkultisten haben die Bedeutung von Elohim als eine Vielzahl von Göttern und Göttinnen beschrieben, als die Vorstellungen des heidnischen Glaubens. Solch eine Assoziation missversteht jedoch die Subtilität dieses göttlichen Namens vollkommen. Zuerst sollte man verstehen, dass mit der Idee von Mutter und Vater nicht zwei Götter gemeint sind, sondern nur einer. Das Prinzip von Kraft und Form, Chochmah und Binah, ist eins in der überirdischen Welt. Als zweites sollte man verstehen, dass die Idee hinter einem weiblichen Substantiv mit einem maskulinen Plural nicht eine Vielzahl von Göttinnen und Göttern nahelegt, sondern eher einen göttlichen Elternteil, der unendlich erzeugen und gebären kann. Drittens ist die Pluralität, die mit dem göttlichen Wesen assoziiert wird eine Vielfalt der Qualitäten, Attribute oder scheinbaren Funktionen, vergleichbar solchen, die eine Person haben kann. Zum Beispiel kann eine Frau bei der Arbeit eine Spezialistin sein, wie eine Lehrerin und als solche mag sie viele verschiedene Quälitäten haben. Gleichzeitig kann sie auch eine Tochter, Schwester, Freundin, Ehefrau, Mutter oder Leiterin eines Vereins sein. Was für Qualitäten, Attribute oder Funktionen ihr auch immer zugeschrieben werden, sie selbst geht über sie hinaus. Sie ist sie selbst.

So ähnlich ist es mit der Beziehung von Gott zu den Qualitäten, Attributen und Funktionen Gottes in der Schöpfung. Elohim als ein Name Gottes bedeutet nicht eine Vielzahl von verschiedenen Göttern und Göttinnen, sondern eher ein höchstes Wesen, dass sich durch unzählige Qualitäten oder Attribute und Funktionen manifestiert. Diese formen die Matrix der Schöpfung. Eine solche Erkenntnis gibt Einsicht in das Wesen der Olamot und Sefirot. Sie sind Elohim, die vielen Qualitäten Gottes in der Schöpfung. Die Sefirot existieren in der heiligen Einheit, die Gott ist. Sie dürfen nicht auf irgendeine Weise getrennt von Gott oder von einander gesehen werden. Sie sind wie die Kabbala sagt “wie die Flamme mit der Kohle verbunden”.

[aus Tau Malachi: Gnosis of the Cosmic Christ. – Saint Paul, MN : Llewellyn, 2005. – S. 121-123]

Advertisements