Schlagwort-Archive: Christus

Über Hayyah Yeshua – den lebendigen Christus

Die gnostischen Evangelien, wie z.B. Pisitis Sophia, stehen zur kirchlichen Sicht auf den Messias nicht im Widerspruch, aber sie erweitern das Bild von ihm. Yeshua hat mit seinem Opfer unsere Sünden getilgt. Etwas zu opfern bedeutet im tieferen Sinne “etwas heilig zu machen”. Bevor Yeshua kam, wurden in der jüdischen Tradition Tiere geopfert. Sie symbolisieren ein “heilig machen” der tierischen, nicht im Sinne der Gebote handelnden, Aspekte in uns.

Yeshua hat uns einen neuen Weg gezeigt, ja er hat den Weg für uns geöffnet. Im gnostischen Phillippus-Evangelium (Spruch 27) wird gesagt:

“Verachtet das Lamm nicht! Denn ohne es ist es nicht möglich, den König zu sehen. Niemand wird seinen Weg zum König beschreiten können, wenn er nackt ist.”

Yeshua, das Lamm, hat uns mit seinem ganzen Leben und Handeln den Weg des Mitgefühls und der Umkehr gezeigt und zeigt ihn uns jeden Tag aufs neue. Durch die Taufe haben wir uns vom alten Weg abgewendet und gehen nun den neuen Weg in Yeshua. Damit ist ein langes Stück unseres Karmas getilgt. Wir sind nicht mehr unbewußt in den Lebenszyklen, den Gilgulim. Wahre Umkehr, Teshuva, besteht in der Rückkehr zu unserer ursprünglichen Intention in Gott, immer wieder.

Yeshua war auf eine zutiefst innige Weise mit Gott verbunden. Er konnte sich vollständig mit Gott vereinen. In den gnostischen Evangelien offenbart er uns, dass dies auch der Sinn und das Ziel unserer Inkarnationen hier auf der Erde ist. Und er zeigt uns geduldig den Weg dahin.

“Niemand wird seinen Weg zum König beschreiten können, wenn er nackt ist.” Er zeigt uns, wie wir unsere Lichtkleider anlegen können, damit wir am Ende vor dem König (Gott) bestehen können. Yeshua ist in der gnostischen Tradition nicht der einzige Sohn Gottes und er kommt nicht so plötzlich in die Welt, wie es scheint.

Er ist eine alte Seele, die einen langen Entwicklungsweg in vielen Inkarnationen hinter sich hat. Man sagt, dass er in 26 Weltsystemen inkarnierte, bevor der als Mensch auf die Welt kam. 26 ist die Summe der Buchstaben des großen Names Gottes, “Yahweh”, in dem alle Kräfte Gottes vereint sind. Auch auf der Erde wurde Yeshua mehrfach wiedergeboren, um seine Aufgabe vollständig erfüllen zu können. So war er der Tradition zufolge der Stammvater Jakob, Moses Nachfolger Joschua und der Prophet Elischa. Jede dieser schon sehr lichtvollen Inkarnationen war ein wichtiger Schritt auf dem Weg seiner Entwicklung als Träger der christlichen Tradition und half ihm, etwas von seinem Karma, das noch vorhanden war, abzutragen. Hier konnte er die große Kraft, Reinheit und das unendliche Mitgefühl erwerben, das ihn befähigte, als unser Messias aufzutreten.

Als Prophet Elischa erwarb er sich die doppelte Kraft der Seele des Propheten Elias, weil er Elias Aufstieg in den Himmel mit ansehen konnte, ohne das Bewußtsein zu verlieren. Die beiden großen Propheten Elia und Elischa kehrten wieder als Johannes der Täufer und Yeshua, der Messias, um ihr Werk zu vollenden.

Man sagt, dass Elischa die doppelte Kraft der Seele Elias in seiner Inkarnation als Yeshua gegeben wurde, damit er seine schwierige Aufgabe vollenden konnte. So wirkt Gott in Kooperation mit den Menschen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir Gott erlauben, durch uns zu wirken und uns ihm darbringen. Er erwartet unsere freiwillige Kooperation.

Der kabbalistische Lebensbaum zeigt aber, dass Gott nicht nur unsere freiwillige Kooperation erwartet, wir also den Weg zu ihm suchen sollen, sondern dass er sich auch zu uns ausstreckt, damit wir ihn besser verstehen können. Der unfassbare, unendliche Gott auf der Ebene der Sefirah Kether wird in den unteren Sefirot Chesed, Geburah, Tifereth, Netzach, Hod, Yesod und Malkuth immer fassbarer für uns. Es wird berichtet, dass dies die Himmelsleiter ist, an der der Stammvater Jakob die Engel auf- und absteigen sah.

Auch wir können an dieser Leiter auf- und absteigen und so nach und nach unsere Lichtkleider anziehen. Hier unten in Malkuth haben wir vieles Gegenständliche als Referenzpunkte. Gott selbst aber ist nicht gegenständlich. Er ist Ain, das Nicht-Gegenständliche, aus dem alles Gegenständliche hervorgeht.

Der Tradition zufolge war Yeshua auf der Ebene der Sefirah Chokmah mit Gott verbunden war. Er konnte ihn also auf dieser hohen Ebene in seiner nichtgegenständlichen Form, die unendliche Liebe ist, erfahren. Er wollte diese Erfahrung allen Menschen eröffnen. Aber die Menschen hatten Schwierigkeiten, ihn zu verstehen. Selbst seine engsten Anhänger, die Jünger, die doch schon so viel von ihm gelernt hatten, hatten lange Schwierigkeiten, diese große Befreiungsbotschaft zu verstehen.

Petrus, Jakobus und Johannes hatten in der Verklärung große Angst und fielen Lukas zufolge sogar in tiefen Schaf. Auch als Maria Magdalena die Auferstehung Yeshuas verkündete, glaubten sie ihr zuerst nicht. Erst als Yeshua ihnen erschien und später den Heiligen Geist über sie ergoß, verstanden sie die innere Dimension unseres Seins. Der göttliche Funke in uns, unser Neshamah ist unsterblich und die Quelle unseres Seins. Der Schrift Pistis Sophia zufolge verbrachte Yeshua nach seiner Auferstehung noch 10 Jahre mit den Jüngern, um sie darüber näher zu unterrichten. In diesen 10 Jahre lehrte er sie den Aufstieg zu Gott in seiner nichtgegenständlichen Form. Auch die acht Himmel sind ein Bild dafür.

Niemand von der Kraft und Stärke Yeshuas lebt in unserer Zeit. Wenn es aber Gottes Wille ist, dass wir selbst einmal Söhne und Töchter Gottes werden, wissen wir, dass dieses Leben nicht unsere letzte Inkarnation ist, dass es wahrscheinlich noch viele Leben dauern wird. Für diesen Weg hat Yeshua uns gute Hoffnung gegeben:

“1 Dann sagte Jesus zu allen:1 »Erschreckt nicht, habt keine Angst! Vertraut auf Gott und vertraut auch auf mich!
2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen, und ich gehe jetzt hin, um dort einen Platz für euch bereitzumachen. Sonst hätte ich euch doch nicht mit der Ankündigung beunruhigt, dass ich weggehe.
3 Und wenn ich gegangen bin und euch den Platz bereitet habe, dann werde ich zurückkommen und euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.
4 Den Weg zu dem Ort, an den ich gehe, den kennt ihr ja.”
(Johannes 14:1-4)

Dabei muss ich an die acht Himmel als unsere Wohnungen auch zwischen den Inkarnationen denken und an den Lebensbaum als den Weg.

Advertisements

Partzuf-Meditation: Vereinigung mit dem lebendigen Yeshua (Jesus)

Einführung
Im Thomasevangelium erscheint der Name der “Lebendige Yeshua”: “ Dies sind die geheimen Worte, die der lebendige Yeshua sprach und die Didymos Judas Thomas niederschrieb.” (Vers 1). In der Christlichen Gnostik ist der Name Lebendiger Yeshua sehr genau bezeichnet. Er bedeutet “der aufgestiegene Christus” oder “der aufgestiege Retter” und weist auf die inneren und geheimen Lehren sowie die entsprechenden Einweihungen, die Herr Yeshua an seine Jünger nach der Auferstehung weitergab.

Hierin spiegelt sich eine wesentlicher Unterschied zwischen orthodoxen Formen des Christentums und dem gnostischen Christentum wieder. Die Orthodoxie ist hauptsächlich auf die äußeren und öffentlichen Lehren gerichtet, die Yeshua vor der Kreuzigung lehrte, während sich die christliche Gnostik auf die inneren und geheimen Lehren gründet, die Meister Yeshua nach der Auferstehung weitergab – die geheimen Lehren des lebendigen Yeshua. Dass das Thomasevangelium in diese Weise beginnt, deuet an, das seine Verse vom aufgestiegenen Christus kommen.

Die meisten christlichen Gnostiker legen nicht in gleicher Weise Wert auf die Lehren des heiligen Paulus, wie orthodoxe Christen dies tun. Schließlich ist Paul nach seinen eigenen Worten der “geringste der Apostel”. Jedoch ist für Gnostiker die Bekehrung Saulus zum heiligen Paulus von Bedeutung, denn seine Bekehrung findet durch den lebendigen Yeshua oder aufgestiegenen Christus in einer spirituellen und mystischen Vision statt (s. Apostelgeschichte, Kap. 9). Nicht nur fand seine Metanoia (spirituelle Wandlung) durch mystischen Kontakt mit dem lebendigen Yeshua in einer Vision statt. Auch die Jünger, die ihn empfingen, erlebten den lebendigen Yeshua in einer Vision. Er beauftragte sie, Paul von seiner Blindheit zu heilen und ihn in ihren Kreis aufzunehmen.

Die orthodoxe Kirche spricht von solchen Ereignissen nur in der Vergangenheit und bringt eine vergebliche “apostolische Nachfolge” hervor, die völlig getrennt ist von der direkten Erfahrung des lebendigen Yeshua. Ein blinder Glauben führt die Blinden, und Unwissenheit lehrt die Unwissenden. Das Prinzip der apostolischen Folge und die Lichtübertragung, die in ihr weitergegeben wird, bedeuten für den gnostischen Christen etwas ganz anderes.

Denn der Gnostiker weiss, dass die Christpräsenz in ihm oder ihr existiert. Er weiss, dass die direkte Erfahrung des lebendigen Yeshua jedem offensteht, der danach strebt, den Gesalbten zu empfangen. Somit ist wahre Gnosis, Gnosis und Gemeinschaft mit dem lebendigen Yeshua, nicht auf die Vergangenheit beschränkt. Sie ist eine in der Gegenwart andauernde Erfahrung für den Gnostiker. Die direkte spirituelle oder mystische Erfahrung des lebendigen Yeshua ist die Grundlage der christlichen Gnosis und der wahren apostolischen Folge.

Vor allem wegen dieses Glaubens wurden Gnostiker als Häretiker gebrandmarkt, denn sie wissen, dass der lebendige Yeshua und der heilige Geist über alle von Menschen geschaffenen religiösen Institutionen hinausgehen. Sie wissen, dass die apostolische Nachfolge nicht von der Verbindung mit einer externen Kirche abhängt, dass jeder, der mit dem lebendigen Yeshua, dem aufgestiegenen Christus, in Verbindung treten möchte, dies tun kann. Jeder kann die Lehren und die Lichtübertragung direkt vom Gesalbten empfangen.

Spirituelle Lehrer und die Jüngerschaft werden unter den meisten christlichen Gnostikern hoch geschätzt. Speziell dienen sie dem Zweck der Führung auf dem Weg zur Sebsterkenntnis und lehren den Interessierten, wie man in die Gnosis und Gemeinschaft mit dem lebendigen Yeshua direkt eintritt sowie in die Gemeinschaft mit der strahlenden Versammlung der Tzaddikim (Lehrer) und Maggidim (Lehrer und Engel). Das ist die wesentliche Absicht des gnostischen Christentums.

Aus diesem Grunde haben gnostische Kirchenälteste (Adepten) und Tau (Meister) Partzuf-Meditationen entwickelt. Sie sind eine Methode, sich mit göttlichen Personifikationen zu vereinigen, um den Interessierten zu lehren, wie man direkten Kontakt mit dem lebendigen Yeshua herbeiführt und erfährt. Einerseits ist es eine Übung für die Wahrheit und das Licht in einem selbst und eine Erinnerung an sie. Andererseits ist es eine Möglichkeit, den Gesalbten für sich selbst zu erfahren. Es ist ein Weg der Gnosis.

Im der Gnostik wird gelehrt, dass die Auferstehung vor allem ein spirituelles Ereignis ist, das nicht mit dem physischen Auge wahrgenommen wird, sondern mit dem spirituellen Auge. Die Geschichte des heiligen Paulus spiegelt das sehr gut wider. Während sich sein spirituelles Auge öffnet, durchlebt er eine physische Blindheit. Dies ist symbolisch für die Notwendigkeit auf einer anderen Ebene durch die inneren Sinne sehen, hören, riechen, fühlen und berühren zu lernen.

Die Methoden der spirituellen Übungen und der Meditationen in der Gnostik wurden speziell ausgebildet, um das Öffnen der inneren Sinne zu unterstützen, durch die man direkte Unterweisungen durch den aufgestiegenen Christus und heiligen Geist erfahren kann. Partzuf-Meditationen sollen genau das bewirken: unsere inneren Sinne öffnen und den Lichtkörper (einen feineren Bewußtseinskörper) entwickeln.

Partzuf-Meditationen habe jedoch auch noch einen anderen Zweck: die Entwicklung von “heiligem Stolz”. Im wesentlichen ist damit die Auflösung der Selbstidentifikation mit unserem begrenzten Namen und unserer Form gemeint. An ihre Stelle tritt die Entwicklung einer neuen Selbstidentifikation mit dem voll entwickelten und verwirklichten Wesen, dem inneren Christus.

Weil dies die Wahrheit unseres innersten Wesens ist, die Lichtseele in uns, bringen wir durch die Meditationsübung auf natürliche und spontane Weise die Lichtpräsenz aus uns hervor. In Verbindung mit spiritueller Bescheidenheit steht die Pflege des heiligen Stolzes im Mittelpunkt des Weges unserer Tradition. Spirituelle Bescheidenheit oder spirituelle Demut ist der Zustand des Leerseins von uns selbst und gleichzeit völlig offen und feinfühlig seins für den heiligen Geist. Deshalb kennt typischerweise jeder Sophia-Gnostiker wenigstens eine Form der Vereinigung mit einem Partzuf.

Das grundlegende Ziel in allen Partzuf-Meditationen ist, eine bewußte Vereinigung mit dem Partzuf zu erfahren und ihn im eigenen Leben zu verkörpern. Im Grunde hat man zum Ziel, seinen Geist, sein Herz und sein Leben mit der Lichtpräsenz zu vereinigen, die vom ausgewählten Partzuf verkörpert wird sowie diese Lichtpräsenz so vollständig wie möglich zu leben.

Diese Idee spiegelt sich im Namen Didymos Judas Thomas, was wörtlich “Zwilling” Judas Thomas bedeutet – der”Zwilling des lebendigen Yeshua.” Durch Partzuf-Meditationen werden wir ebenfalls zu Zwilligen der Lichtpräsenz. Partzuf-Meditationen sind sehr kraftvolle Übungen, die beim Erwerb geheimen Wissens, mystischer Erfahrungen und verschiedener Wunder helfen.

Im folgenden beschreiben wir hier die Partzuf-Meditation “Vereinigung mit dem lebendigen Yeshua”, aber im Blog und auf der Website der Sophia Fellowship finden sich weitere Meditationen: mit der heiligen Mutter, Maria Magdalena, Johannes dem Täufer und dem heiligen Lazarus. Jede von ihnen repräsentiert ein Gesicht des Geliebten – der Christpräsenz. Die Meditation lebendiger Yeshua ist wahrscheinlich die am meisten verbreitete unter gnostischen Christen. Aber auch Meditationen mit der heiligen Mutter und der heiligen Braut (Maria Magdalena) sind sehr üblich.

Die Meditation
Setze dich an einen Ort, wo du nicht gestört wirst und komme zur Ruhe. Führe das Kabbalistische Kreuz aus und verweile in der ursprünglichen Meditation. Lass dein Herz an den Platz zurückkehren (den aktuellen Moment). Dies ist die Grundlage aller guten Dinge.

Wende deine Aufmerksamkeit von diesem ursprünglichen Ort zum Bild der spirituellen Sonne in deinem Herzen. Stell dir vor, dass die spirituelle Sonne in dir scheint und deinen gesamten Körper und Geist erleuchtet. Wende deinen Geist und dein Herz dem lebendigen Yeshua zu. Bete, dass der Gesalbte zu dir kommt und bei dir verweilt. Dann stell dir vor, dass ein Lichtstrahl von deinem Herzen ausgeht. Er entspringt deinem Herzen so plötzlich wie eine Sternschnuppe. Durch ihn entsteht das Bild des lebendigen Yeshua magisch im Raum vor dir. Es ist ein Bild von strahlender und lichtdurchlässiger Herrlichkeit. (Das göttliche Bild sieht aus, als wäre es auch durchsichtigem Licht geformt, wie ein Regenbogen, der leuchtend und deutlich sichtbar ist, durch den man aber hindurchsehen kann.)

Das Meditationsbild: Der aufgestiegene Eine erscheint so, als wäre sein Körper aus Sonnenlicht gemacht. Er trägt eine innere Robe aus weißer Helligkeit und eine äußere Robe in Violett oder Amethyst. Sein fester Blick ist intensiv und zugleich zutiefst liebevoll. Er ist eingehüllt in eine große Regenbogen-Aura. Dabei ist der rote Streifen seinem Körper am nächsten und der violette Streifen am äußersten Rand. Er scheint mit seinen Füßen nicht auf dem Boden zu stehen, sondern schwebt im Raum vor dir als würde er in der Luft stehen.

Öffne deinen Geist und dein Herz dem heiligen Einen völlig und bete zum Gesalbten. Ebensosehr, wie du deine Gebete sprichst, werde ein Schoß der Stille, höre und verstehe das Wort der Lebenskraft, dass er zu dir spricht. Hege Gnosis und Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus. Während dessen halte die Visualisation so deutlich wie möglich. Schaue sie nicht nur, sondern fühle die Wärme und Schwingung, die Liebe und das Mitgefühl, das Verständnis und die Akzeptanz durch den Herrn. Wenn du empfindest, dass dein Gebet und deine Gemeinschaft mit dem Gesalbten vollständig sind, beginne mit seinem Chant:

Der einfachste Chant ist der gesegnete Name des Gesalbten: Yeshua. Alternativ kannst du Adonai Yeshua, Yeshua Messia oder Hayyah (der lebendige) Messia anstimmen. Der üblichste Chant für diese Übung ist Adonai Yeshua, Yeshua Messia.

Während du den Namen des Gesalbten chantest, stell dir vor, dass er deine Gebete und Bitten erfüllt. Dabei lächelt er dich an und schickt Lichtströme von seinem Körper und seiner Aura. Gnade und Segen ergießen sich über dich und ermächtigen dich in der großen Arbeit. Sieh deinen eigenen Körper und Geist heller und heller scheinen. Sieh, wie deine eigene Aura in die Herrlichkeit des Regenbogens verwandelt wird.

Wenn du zum Ende des Chants kommst, stell dir vor, wie sich das göttliche Bild auflöst in fließendes Licht. Stell dir vor, wie dieses Licht in die spirituelle Sonne in deinem Herzen zurückfließt. Erkenne in der Stille Christus als deine ureigene Seele. Lass deinen Geist mit dem Geist Christus verschmelzen. Lass dein Herz mit dem heiligen Herzen von Christus verschmelzen. Lass deinen Körper mit dem mystischen Körper von Christus verschmelzen.

Bleibe in dieser Vereinigung so lange du kannst, ob es nun ein Moment ist oder eine längere Zeitspanne. Wenn sich dein Geist und dein Herz regen, beende die Meditation mit Dank und Lobpreisung. Dehne mit einem Gebet das Licht des großen Seth (Kreuz) auf alle Wesen aus und führe das Kabbalistische Kreuz aus.

Lass die Energie zur Ruhe und zum Ausgleich kommen und erde dich einige Minuten, bevor du aufstehst. Wenn du in die Welt hinaus gehst, betrachte alles, was du siehst, als die Lichtheimstatt und den Körper des Gesalbten. Höre jedes Geräusch als das Wort des heiligen Einen. Empfange jeden Gedanken und jede Emotion, die in deinem Geist aufsteigen, als die angeborene Weisheit Christus. Übe in dieser Weise das heilige Siegel der Vereinigung den Tag hindurch. Lebe als Christusträger. Dies ist die grundlegende Meditation der Vereinigung mit dem lebendigen Yeshua, dem aufgestiegenen Christus.

Die Methode des Öffnens der inneren Sterne
Dies ist eine Erweiterung der gleichen Meditationsübung. Bei dieser Methode stellt sich der Eingeweihte die sieben inneren Sterne im göttlichen Bild Yeshuas vor, vom Kronenstern bis zum Wurzelstern (mit den Farben des Regenbogenspektrums, Krone = violett, Braue = königsblau, Hals = hellblau, Herz = grün, Solarplexus = gelb, Nabel = orange, Wurzel = rot) und einen transzendenten Stern von diamantenem Strahlen über dem Kopf des Herrn.

Während man sich die Ausdehnung des Segens beim Chanten des gesegneten Namens vorstellt, stellt man sich gleichzeitig vor, wie ein Strahl von juwelenfarbenem Licht von jedem inneren Stern ausgeht. Dieser Strahl, der vom Körper des Gesalbten ausgeht, scheint auf die inneren Sterne in unserem eigenen Körper und öffnet diese.

(Eine andere Methode besteht in der Vorstellung, dass ein intensiver Lichtstrahl vom transzendenten Stern über dem Kopf des Herrn ausgeht und auf den transzendenten Stern über dem eigenen Kopf trifft. Dadurch scheinen im eigenen Körper spontan die sieben inneren Sterne als die Regenbogen-Herrlichkeit des transzendenten Sterns auf.) Die gesamte Übung ist abgesehen von diesen Details der Visualisation exakt gleich. Diese Methode ist noch immer eine Grundübung. Fortgeschrittene Übungen werden von dieser Grundlage ausgehend in der Tradition gelehrt. Dafür ist jedoch die besondere Anleitung und Einweihung durch einen Ältesten oder Tau erforderlich.

Die grundlegende Methode der Bewußtseinsübertragung
Diese Methode ist ebenso grundlegend die gleiche. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Eingeweihte sich am Ende der Meditation vorstellt, dass sein Körper und Geist sich in der spirituellen Sonne verdichten und in fließendes Licht auflösen. Diese Licht schießt dann in das heilige Herz des göttlichen Bildes. In dieser Weise verlagert der Eingeweihte das Zentrum seines Bewußtseins in den Lichtkörper oder das göttliche Bild.

Dies ist eine Übung für das Bewußtsein außerhalb des Körpers und für bewußtes Sterben. Typischerweise ist eine besondere Anleitung verbunden mit einer Einweihung oder Ermächtigung notwendig für alle Formen der Bewußtseinsübertragung. Jedoch ist die vorgestellte Methode grundlegend und kann sich bei einem aufrichtig Übenden als produktiv erweisen, wenn er das Wissen und einige Erfahrung mit der Meditation der Vereinigung mit dem lebendigen Yeshua hat. Als diesem Grunde bieten wir die Methode hier relativ öffentlich dar.

Wir beten, dass alle, die die Gnosis des lebendigen Yeshua suchen, diese empfangen! Wir beten, dass das Licht des großen Seth alle erleuchten möge! Amen.

[Übersetzt aus: Forum der Sophia Fellowship, Foundation Practices]

Wer ist Christus?

In der Menschheit wird sich die Natur ihrer selbst bewußt und das Wesen des auferstandenen Christus wird sich seiner selbst bewußt. Es ist die Erlösung der Welt und der gesamten Schöpfung.
Dadurch können wir verstehen, was die Meister der christlichen Tradition lehren, wenn sie sagen: “Gott (Elohim) wurde Mensch, damit der Mensch Gott (El) wird.”

Nun, hier in der Welt erscheinen wir als männlich und weiblich, als Mann und Frau, aber der heilige Paulus lehrt uns: “Wo diese Erneuerung geschehen ist, da zählt es nicht mehr, ob jemand zu den Griechen gehört oder zu den Juden, ob jemand beschnitten ist oder unbeschnitten, ob jemand zu einem unzivilisierten Volk gehört oder gar zu einem Stamm von Wilden, ob jemand im Sklavenstand ist oder frei. Was einzig noch zählt, ist Christus, der in allen lebt und der alles wirkt.” (Der Brief an die Kolosser 3:11) Indem wir die Ignoranz der Vergangenheit verbannen, können wir hinzufügen: da zählt es nicht mehr, ob man männlich oder weiblich ist, Mann oder Frau, heterosexuell oder homosexuell – hier gibt es solche Unterschiede nicht, sondern alle sind Christus und in Christus, alle sind der Lichtmensch und der Lichtmensch ist in uns.

In Christus müssen wir herauskommen aus den Schlupfwinkeln des Egos. Wir müssen uns befreien vom Greifen nach diesen Unterscheidungen und Unterschieden und endlichen Begrenzungen, von all den kleinlichen Konflikten, die sie fortbestehen lassen. All dies bindet uns an die Ignoranz, die Dunkelheit, das Chaos der Materie. Während solche Dinge der Weisheit der Welt zufolge von Bedeutung sind, sind sie in der Weisheit Gottes (El, Elohim) nichts, sind sie Schatten, sind sie Torheit!

Genau dies lehrt uns der auferstandene Yeshua (Jesus) im letzten Vers des Thomasevangeliums: in Christus, im Lichtmenschen, sind wir alle gleich, sind wir alle ebenbürtig. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Mann und Frau in Christus. Offensichtlich konnten das unerleuchtete Männer in der äußeren und unspirituellen Kirche nicht verstehen. So kam es dazu, dass die gleiche alte Ignoranz das äußere Christentum dominiert. Aber diese Lehre wird klar ausgesprochen in den Lehren von Adonai Yeshua und klar illustriert von seinem am meisten geliebten Jünger, seinem innersten Jünger – Maria Magdalena.

Jesus lehrt, weiht ein und ermächtigt Frauen genauso wie Männer – im Messias gibt es keinen Unterschied…

Indem er das tut, wird Christus in uns verwirklicht, etwas von seiner Lichtkraft und Lichtpräsenz wird in uns verkörpert.

Christus ist kein Substantiv, dass man besitzen und beanspruchen kann, es ist ein VERB – eine Handlung, genau wie dieses gesamte Kontinuum des Werdens, dieses Kontinuum der ständigen Transformation.

Womit soll ich mich nun identifizieren? Was ist besser? Der sterbliche Name und die Form, unsere persönliche Geschichte? Oder das voll entwickelte und erleuchtete Wesen, göttlich und überirdisch, der Christus – unsterblich?

(Übersetzt aus: Tau Malachi: Elohim, Shaddai & Expanses in Christ)

Licht der Erlösung

Von der äußeren Kirche wird uns gelehrt, dass der Sinn des Opfers von Christus die Wiedergutmachung der Sünde von Adam und Eva war, der Ursünde, die wir erben. Was damit im Grunde nahe gelegt wird, ist eine beschädigte oder beeinträchtigte Menschheit, und dass Jesus kam, um zu korrgieren, was die Menschheit getan hatte. Die heilige Kabbala und Gnosis bringt jedoch eine andere Ansicht hervor. Für sie ist die Sünde von Adam und Eva das Ergebnis einer Unvollkommenheit oder eines Mangels auf der kosmischen Ebene. Es ist eher etwas Unvollständiges in der Schöpfung, und deshalb kommt Christus, um der Tikkun-Heilung dieser Unvollkommenheit Willen und nicht so sehr der Wiedergutmachung der Sünde wegen. Er kommt, um die Schöpfung zu vervollkommnen und Ratzon Elyon, den Willen des Höchsten, zu erfüllen.

Einfach gesagt, kosmische Ignoranz ist die Unvollkommenheit oder Unreinheit. Sie besteht in der Illusion der Trennung, die durch den Demiurgen in der christlichen Gnosis personifiziert wird. Es ist die Erzeugung der kosmischen Ignoranz, der Archonten und Dämonen am zweiten Tag der Schöpfung, als Elohim (Gott) Himmel und Meer trennte und damit auch die Dualität im Bewußtsein schuf, eine scheinbare Trennung zwischen Himmel und Erde, Gott und Schöpfung. Diese Ignoranz und Dualität im Bewußtsein ist die Ursache der Sünde von Adam und Eva. So kommt Christus, um diese Dualität aus dem Bewußtsein und der Schöpfung zu vertreiben. Er kommt als Träger des Lichts und gnostischer Offenbarer, der die Lehren, das spirituelle Wissen und die spirituelle Kraft übermittelt, die diese Ignoranz beenden.

Wie wir wissen und verstehen, ist das Auftreten der Ignoranz und Dualität im Bewußtsein ein natürliches Nebenprodukt der Schöpfung, dass aus der unbewußten Ureinheit hervorgeht. Es wird überwunden durch den Prozeß der Entwicklung und Evolution der Schöpfung, oder eher durch die Entwicklung und Evolution des Bewußtseins, durch ein Erwachen des Bewußtseins. Die Erfüllung dieser Entwicklung ist Christus, das messianische Bewußtsein, eine nicht-duale Realisierung.

Einerseits ergeben wir uns aktiv und dynamisch der Schekina des Höchsten (der göttlichen Präsenz und Kraft) und arbeiten so daran, die Bedingungen für die Selbstrealisierung in Christus mit ihr gemeinsam zu schaffen. Andererseits ist es eine Vereinigung mit Gott, die auf der göttlichen Gnade basiert und so kommt das Erwachen in Christus durch die göttliche Gnade, die überirdische Schekina, verkörpert im lebendigen Yeshua (Jesus) und in der wahren apostolischen Folge.

Es gibt ein deutliches Geschenk der feurigen Intelligenz, das Yeshua Messia uns übermittelt, eine ausgeprägte göttliche Präsenz und Kraft – der heilige Geist oder die überirdische Schekina. Wir unsererseits brauchen nur festzuhalten am Messia, dem Lichtmenschen, und uns dem Licht von oben zu öffnen, der Mutterkraft. Dieses heilige Licht erleuchtet und befreit uns. Es vertreibt die Falschheit und das Unwirkliche und offenbart die Wahrheit und Wirklichkeit, Gott, das wahre Licht. In einer aktiven und dynamischen Hingabe gibt es eine Zusammenarbeit und Kooperation mit der göttlichen Gnade, der Lichtpräsenz und Lichtkraft beim großen Werk. Und doch ist es die göttliche Gnade, das heilige Licht, das alles erreicht, das mit, in und durch uns, und sogar als uns wirkt, um Ratzon Elyon, den Willen und das Verlangen des Höchsten zu erfüllen.

[übersetzt aus: Tau Malachi: Light of Salvation]

Weisheit des Herzens

Selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.

Evangelium des Matthäus, 5:8

In den christlich-gnostischen Lehren wird gesagt, dass der innewohnende Christus sich im Herzen befindet und in der Sophia-Gnostik ist oft die Rede davon, dass sich die spirituelle Sonne in und hinter der Mitte des Herzens befindet. Deshalb ist der Grundstein der spirituellen Übungen in unserer Tradition die Öffung des Zentrum des Herzens und das Hineingehen und Leben im Heiligtum des Herzens. Aus diesem Grunde beginnen die meisten mystischen Gebete und Meditationen in der Sophia-Gnostik mit der Visualisierung der spirituellen Sonne im Herzen, indem wir ununterbrochen unsere Aufmerksamkeit auf diese heilige Mitte lenken – das Heilige Herz.

Die Redewendung „in und hinter dem Herzen“ mag am Anfang etwas merkwürdig klingen, aber sie weist auf eine Wahrheit in unserer Erfahrung des Insichgehens hin. Wenn wir hineingehen in das Heiligtum des Herzens, entdecken wir, dass das, was wir am Anfang als „Herz“ bezeichnen, nicht in Wahrheit die Mitte unseres Herzens ist. Es ist eher eine schwerwiegende Verkrustung unseres Herzens. Selbstsucht, Lust-Gier und Furcht-Haß verdecken und verdunkeln die Reinheit des Herzens und formen ein Art dunkle Hülle, die es einschließt. Deshalb spricht man in der christlichen Gnostik von der Beschneidung des Herzens – dem Entfernen dieser Hülle aus Lebensenergie vom Zentrum des Herzens.

Wir sprechen oft davon, dass unser Herz bricht. Aber tatsächlich ist es nicht die Mitte unseres Herzens, die zerbricht; es ist die Hülle aus Unklarheit und Dunkelheit, die zerschlagen wird. Diese Hülle ist das Produkt der Ego-Illusion und wird geformt aus Stolz und Arroganz, Neid und Eifersucht, Lust und Gier, Ärger und Haß, Unsicherheit und Zweifel, Gefühlen der Zurückweisung und des Betrugs, aus all der Trauer und den Schmerzen der persönlichen Geschichte und jeder Art von Negativität, die man benennen kann. In Wahrheit müssen wir unserem Herzen erlauben zu brechen und zerschlagen zu werden. Wenn das geschieht, werden wir entdecken, dass es nicht unser Herz war, sondern die Umhüllung, die zerbrach. Tatsächlich werden wir uns klarwerden, dass dieses „Zerbrechen des Herzens“ in Wahrheit das Sich-Öffnen der Herzensmitte ist.

In unserer Angst vor einem gebrochenen Herzen versuchen wir Trauer und Schmerz, die im Leben einhergehen mit Freude und Angenehmem, zu vermeiden, und dadurch entsteht die Verkrustung unseres Herzens. Wenn wir aber dem Herzen erlauben zu brechen und Trauer und Schmerz ebenso annehmen wie Freude und Spaß, zerfällt die Hülle aus Unklarheit und Dunkelheit und es offenbart sich unser wahres Herz, das angeborener Weise liebend, mitfühlend und licht ist. Wir werden entdecken, dass das Herz unendlich groß ist und dass es dort Platz für jeden und für alles gibt – ein Zustand des An-Nichts-Hängens und Nichts-Ablehnens, der die heilige Aufmerksamkeit und heilige Einheit widerspiegelt. Es ist die Erkenntnis der angeborenen Güte in uns und anderen, die in ihrem Wesen Christus ist, die lebendige Gegenwart und Kraft Gottes.

Natürlicherweise entfällt die äußere Trennung in Freunde, Fremde und Feinde, es gibt nicht mehr Heilige und Sünder, Engel und Dämonen, Licht und Dunkelheit. Es gibt nur noch die Gegenwart der Aufmerksamkeit, die das göttliche Wesen in allen Dingen und über allen Dingen wahrnimmt. Es ist, als ob alle und alles das Gesicht des Geliebten sind. Es ist eine Erfahrung, die über alles hinausgeht und nicht mit Worten zu beschreiben ist. Es ist das natürliche Ergebnis des von sich Leerwerdens, eines mystischen Todes und einer Wiedergeburt im Geist, völlige Hingabe an den göttlichen Willen; sich selbst zu erlauben völlig verzehrt zu werden von dem heiligen Verlangen nach Vereinigung mit dem göttlichen Wesen. So spricht Yeshua in der Bergpredigt vom spirituellen Leben und den Übungen auf dem Weg zum Christus-Bewußtsein, jedoch spricht er gleichzeitig von den einzelnen Ebenen, die auf dem Weg dorthin durchquert werden müssen. Es ist eine unentbehrliche Lehre auf dem Weg der Erkenntnis.

(Übersetzt aus Tau Malachi: Living Gnosis. – Llewellyn, 2005, S. 159-161)