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Johannes der Täufer in der Sophia-Tradition

(Markus 1:2-8)
“2 Es begann, wie es im Buch des Propheten Jesaja angekündigt wurde: »Ich sende meinen Boten vor dir her, sagt Gott, damit er den Weg für dich bahnt.
3 In der Wüste ruft einer: Macht den Weg bereit, auf dem der Herr kommt! Ebnet ihm die Straßen!
4 Dies traf ein, als der Täufer Johannes in der Wüste auftrat und den Menschen verkündete: »Kehrt um und lasst euch taufen, denn Gott will euch eure Schuld vergeben!
5 Aus dem ganzen Gebiet von Judäa und aus Jerusalem strömten die Leute in Scharen zu ihm hinaus, bekannten öffentlich ihre Sünden und ließen sich von ihm im Jordan taufen.
6 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und um die Hüften einen Ledergurt; er lebte von Heuschrecken und dem Honig wilder Bienen.
7 Er kündigte an: »Nach mir kommt der, der mächtiger ist als ich. Ich bin nicht einmal gut genug, mich zu bücken und ihm die Schuhe aufzubinden.
8 Ich habe euch mit Wasser getauft; er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.”

Die Sophia-Tradition lehrt wie die ursprüngliche jüdische Tradition, dass wir danach streben sollen, Gottes Liebe und Mitgefühl überall im Alltagsleben zu verkörpern. Anders als in östlichen Traditionen geht es nicht darum, ein dauerhaft zurückgezogenes Leben zu führen. Aber es gibt auch immer wieder Seelen, die um ihre Aufgabe zu erfüllen, dazu bestimmt sind, sich vom Alltagsleben fernzuhalten und wie die heiligen Engel zu leben. Ihre Mission ähnelt der der großen Engel und ihre Seele hält sich stärker in den Himmeln als im Körper auf. Hierzu zählt Johannes der Täufer und er wird deshalb oft der Engel des heiligen Evangeliums genannt. Unsere Tradition spricht von ihm unter seinem hebräischen Namen, Yohanan.

Yohanan gilt als der Lehrer, Tzaddik, Yeshuas. Er ist der wiedergeborene Prophet Elijah. Es heißt, er konnte seine Aufgabe als Lehrer Yeshuas erfüllen, weil alle großen Propheten einen Funken ihrer heiligen Seelen, ihres Neshamahs, mit Yohanans Seele verbanden, damit die ganze Fülle ihres Wissens in ihm ruhte. Er verkörperte selbst viel Licht, das Licht der Folge der Propheten vor ihm. Im Johannes-Evangelium 1:6-9 wird von ihm gesagt:

“6 Es trat einer auf, den Gott gesandt hatte; er hieß Johannes.
7 Er sollte Zeuge sein für das Licht und alle darauf hinweisen, damit sie es erkennen und annehmen.
8 Er selbst war nicht das Licht; er sollte nur auf das Licht hinweisen.
9 Das wahre Licht, das in die Welt gekommen ist und nun allen Menschen leuchtet, ist Er, der das Wort ist.”

Einer mündlichen Überlieferung zu diesem Vers zufolge war Yohanan Aufgabe einerseits die Verkörperung des überirdischen Lichts im Messias zu bezeugen und gleichzeitig als Öffner des Weges für ihn zu dienen und als Hebamme für die heilige Seele Yeshuas. Yohanan war nur sechs Monate älter als Yeshua. Von seiner frühesten Kindheit an wurde er in der Versammlung der Propheten vom Baal Shem, dem Leiter der Versammlung, erzogen. Er wohnte sein ganzes Leben lang in der Wildnis und er lernte alle Lehren mit äußerster Leichtigkeit.

Als Yohanan und Yeshua am Jordan standen, standen neben ihnen die Erzengel Metatron und Sandalfon. Sieben weitere Erzengel der Sefirot bildeten einen Kreis um sie. Die entsprechenden Orden der Engel formten einen äußeren Kreis und die Seelen der Gerechten und Propheten sammelten sich um sie. Es war, als würden Yohanan und Yeshua ein Tor des überirdischen Lichtes in der Welt werden. Dies ist ein Bild der visionären Dimension hinter der Taufe, wie man sie sich auch in Meditationen vorstellen kann.

In der christlichen Kabbala ist Yohanan die Verkörperung der Sefirah Yesod, weil er der Lehrer, Tzaddik, des perfekten Meisters, des Messias, ist und Yesod die Sefirah des heiligen Lehrers ist. Yohanan wird oft herbeigerufen und gebeten, dem Christusgeist in uns zur Geburt zu verhelfen und diesen Prozeß zu begleiten, wie eine Hebamme die Geburt eines Kindes. Auch wenn wir prophetische Visionen und Träume verstehen wollen, kann er herbeigerufen werden. Es wird erzählt, dass sein Geist bei jeder Taufe und jedem Fest der Wiederauferstehung anwesend ist.

[Zusammengestellt aus: Tau Malachi: Gnosis of the Cosmic Christ : a Gnostic Christian Kabbalah. – Saint Paul, Minn. : Llewellyn, 2005]

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Das Fest Johannes des Täufers oder das Fest der Taufe

Die Taufe Christi von David Zelenka

Die Taufe Christi von David Zelenka

Nach dem Fest der Mutter und des Kindes zur Wintersonnenwende feiern wir am 2. Februar das Fest Johannes des Täufers oder das Fest der Taufe. Es ist die Zeit im Sonnenjahr, zu der das Licht zunimmt oder sich ausdehnt. Für uns repräsentiert diese Zeit den Beginn der göttlichen Erleuchtung in Meister Yeshua, den Beginn der Bewegung seines irdischen Amtes, des Predigens des Evangeliums der Wahrheit, welches den Weg der Erleuchtung darstellt. Der Sophia-Gnostischen Tradition zufolge wird Yeshua nicht als Messias geboren. Er wird zum Messias, als er durch Johannes im Heiligen Jordan getauft wird. In diesem Moment geht der Geist des Messias in ihn ein und erleuchtet ihn.

Es wird erzählt, dass Yeshua zwei Lehrer hatte. Einer lehrte ihn die Gesetze und Schriften, und der andere gab die mystische Tradition an ihn weiter. Johannes der Täufer aber war der sprituelle Lehrer, der seine Ausbildung vollendete und ihn einweihte, er war sein Heiliger Tzaddik (Meisterlehrer). Die Taufe repräsentiert eine Einweihung oder spirituelle Ermächtigung, durch die das spirituelle Leben und die Übungen Meister Yeshuas zur Reife gebracht werden. Deshalb erfolgt die Übertragung des Lichtes und seine Integration in die Persönlichkeit des Meister während seines spirituellen Rückzuges und der Versuchung in der Wüste.

Einerseits feiern wir bei diesem Fest im Sonnenjahr Johannes den Täufer als Reinkarnation des Propheten Elija. Er ist der Prophet des Evangeliums (der guten Nachricht) und der Tzaddik des Messias. Mit ihm erfüllt sich das Versprechen, dass Elija Elischa in einer früheren Inkarnation gab: er versprach ihm das Doppelte seiner prophetischen Kraft als Erfüllung seiner Jüngerschaft.

Andererseits feiern wir die Erleuchtung Meister Yeshuas, indem er in seine Kraft eintritt und das Evangelium der Wahrheit empfängt. Im Grunde ist es das Fest des Mysteriums der Lichtübertragung auf einer neuen Stufe, die sich durch Johannes den Täufer und den Messias manifestiert – die überirdische Lichtübertragung. Sie löst die Folge der Propheten ab und wird die Grundlage der gnostisch-apostolischen Nachfolge.

Auf diese Weise wirkt Johannes der Täufer wie eine Hebamme bei der Geburt des Messias in Yeshua. Das Amt Yeshuas geht hervor aus dem heiligen spirituellen Kreis Johannes des Täufers, das Kontinuum der Lichtübertragung manifestiert sich auf einer höheren Stufe.

Diese Lehren spiegeln die Sophia-Gnostische Sicht des Messias: er ist ein verwirklichtes und erleuchtetes Wesen, das überirdisches oder messianisches Bewußtsein verkörpert. Er erkennt die angeborene Einheit des Menschen mit Gott und Gottkopf und ist ein „Gnostischer Offenbarer“, der den Weg zur Erleuchtung und Befreiung öffnet, der Lehren übermittelt und Einweihungen gibt, durch die die Erleuchtungserfahrung, die gnostische Erfahrung, geschieht.

Die Sicht der Sophia-Gnostik auf die prophetische Folge gründet sich auf die Verwirklichung von höheren Stufen des seelischen Bewußtsein und dabei speziell auf die Erfahrung des kosmischen Bewußtseins mit seinen entsprechenden Graden der Lichtübertragung. Obwohl das kosmische Bewußtsein in der gegenwärtigen Verfassung der Menschheit ein sehr erhabener Grad der Verwirklichung ist, bedeutet er nicht die vollständige Erleuchtung und befreit deshalb den Seelestrom auch nicht vom Gilgulium, dem Zyklus der Wiedergeburten und der Gesamtheit. Das überirdische und überseelische Bewußtsein jedoch geht über das seelische und lebensnotwendige Bewußtsein hinaus. Es repräsentiert die vollständige Erleuchtung, die den Seelenstrom befreit und damit die Erfüllung der göttlichen Gnosis ist, der Lichtmensch, verkörpert durch Meister Yeshua, den Messias.

Dies ist das Mysterium, das wir zum Fest der Taufe erforschen und feiern. In ihm sind viele Mysterien und so ändert sich unser Fokus von Jahr zu Jahr. Jedoch findet sich das Wesen dieses Festes in einer sehr einfachen Übung, die wir jedem Anfänger geben: in sich zu gehen und zu bleiben mit der bewußten Absicht, sich dem Licht der Mutterkraft (des Heiligen Geistes), dem Licht von oben zu öffnen. Wir rufen unsere eigene Erfahrung der inneren Taufe durch das göttliche Licht und die feurige Intelligenz, den Heiligen Geist, in uns wach.

Thema des Festes in einem Jahr könnten Johannes der Täufer und seine Lehren sein oder das Mysterium der Jüngerschaft. Thema könnte auch das Ereignis der Taufe im Heiligen Jordan und damit verbundene Mysterien sein oder vielleicht ein Rückzug in die Wüste und die folgende Versuchung. Wir könnten uns sogar auf die Mysterien der Predigt des heiligen Evangeliums und die spirituelle Arbeit des Erdenamtes des Meisters konzentrieren. Worauf wir uns auch immer in einem bestimmten Jahr fokussieren, innerlich rufen wir die Erfahrung der Empfängnis des Lichtes von oben in uns wach und erinnern uns an das Erwachen der feurigen Intelligenz in uns. Es ist die vom Heiligen Geist übermittelte Einweihung, durch die Erleuchtung und Befreiung kommt.

Den Meistern zufolge gibt es eine äußere, innere und geheime Taufe, die den Taufen mit Wasser, Feuer und Geist entspricht. Das Mysterium der Taufe kann sehr unterschiedlich sein, je nachdem welche Stufe wir erforschen. Aber in Wahrheit sind alle „drei Taufen“ ein Zyklus, denn wie wir an Meister Yeshua sehen, können alle drei gleichzeitig stattfinden als eine Bewegung des Heiligen Geistes.

Wie bei allen Hauptfesten in der Sophia-Tradition gibt es keine feste Liturgie oder ein Schema. In der Regel folgen wir einem generellen Thema und konzentrieren uns auf einen oder mehrer Aspekte dieses Mysteriums des Heiligen Evangeliums. Wir gestalten darauf basierend ein Ritual oder Psycho-Drama. In alle Hauptfeste integrieren wir das Fest des Brot und des Weines (Hochzeitsfest).

Dies ist das zweite heilige Fest im Sonnenjahr, dem das Fest der Kreuzigung und Wiederauferstehung, unser „Ostern“, zur Tag- und Nachtgleiche im Frühling folgt.

Mögen wir gesegnet sein, das Licht von oben zu empfangen und unsere Taufe zur Erfüllung zu bringen in Göttlicher Gnosis, dem Auferstandenen Christus; amen.

[Übersetzt aus: Forum der Sophia Fellowship, Tau Malachi: The Feast of John the Baptist]